Gesundheitssystem

Die öffentliche Gesundheitsversorgung wird zunehmend privatisiert, ökonomisiert und individualisiert. Kostenersparnis, Prävention und individuelle Risikovermeidung sind die gesundheitspolitischen Ziele. Die frühzeitige „Erkennung“ vermeintlicher individueller Gesundheitsrisiken soll Menschen befähigen, Krankheiten vorzubeugen, macht sie jedoch auch individuell für den Erhalt der eigenen Gesundheit verantwortlich.

Die geplante Einführung der elektronischen Gesundheitskarte soll Patient*innendaten aus verschiedenen Quellen digital zusammenführen und auslesbar machen. Versprochen wird eine höhere Effizienz, eine maßgeschneiderte, individualisierte Medizin und eine bessere Versorgung. Tatsächlich entstehen immense Risiken für die Daten- und Versorgungssicherheit. Die Versprechungen der „individualisierten Medizin“ erweisen sich häufig als leer, treiben aber die Idee der individuellen Verantwortung für die eigene Gesundheit voran.

Beiträge zu diesem Thema

  • Richtungsweisende Fehleinschätzung

    Von
    Kirsten Achtelik ,

    Der nicht invasive Bluttest (NIPT) auf die Trisomien 13, 18 und 21 wird zur Kassenleistung, das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das oberste Selbstverwaltungsgremium im deutschen Gesundheitswesen, am 19. September 2019 beschlossen.

  • Vorstoß gegen Stammzellkliniken

    Von
    Isabelle Bartram ,

    Stammzellkliniken bieten Kund*innen vermeintliche Therapien durch Behandlung mit Stammzellen an. Nachdem sich die Fälle von gravierenden Folgeschäden gehäuft haben, greifen nordamerikanische Behörden durch.

  • Zukunftsmedizin für wenige

    Von
    Eric Breitinger , 27. Februar 2019

    Die Personalisierte Medizin soll die Massen­medizin, die bisher einheitliche Behandlungen und Medikamente für alle beinhaltet, ablösen. Ein Blick auf die Preise der ersten Therapien dieser Art lässt allerdings befürchten, dass sie die globale Ungerechtigkeit in der medizinischen Versorgung verstärken wird.

  • Profit vor Medizin?

    Von
    Marinus Fislage , 27. Februar 2019

    Big Data-Gesundheitsforschung verspricht die Entwicklung einer Präzisionsmedizin der Zukunft. Doch angesichts der Ökonomisierung des Gesundheitssystems ist es fraglich, ob die Investition in diesen Forschungszweig tatsächlich den größtmöglichen Nutzen für Patient*innen bringt.

  • „Precision Public Health“ – des Kaisers neue Kleider

    Von
    David Taylor-Robinson, Frank Kee , 27. Februar 2019

    Die sogenannte Präzisionsmedizin soll in Zukunft dazu beitragen können, neue Wege der Prävention und Behandlung möglich zu machen. Basierend auf Big Data-Analysen, vor allem genetischer Daten, sollen individuelle Behandlungs- und Verhaltensempfehlungen Gesundheitsunterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen abbauen können. Doch noch ist umstritten, ob dieser Fokus auf genetische Daten und die Vernachlässigung des gesellschaftlichen Kontextes am Ende nicht das Gegenteil bewirken.