Kurz notiert - Landwirtschaft und Lebensmittel

EFSA-Gutachten ist mangelhaft

Laut einer aktuellen Studie hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bei der Risikoprüfung des gentechnisch veränderten (gv) Mais MON810 unsauber gearbeitet. Mais MON810 ist die einzige gv-Pflanze, die in der Europäischen Union zum kommerziellen Anbau zugelassen ist. Veronika Chvátalová, Autorin der neuen Studie, wirft den Gutachter*innen der EFSA vor, wissenschaftliche Ergebnisse missinterpretiert, ausgelassen oder falsch dargestellt zu haben. Demzufolge sei die Schlussfolgerung des Gutachtens der EFSA, dass MON810 keine negativen Einflüsse auf Bienen und Regenwürmer hat, nicht haltbar. Chvátalová bezieht sich außerdem auf weitere Studien, die der EFSA Interessenkonflikte und wissenschaftlich unsauberes Arbeiten vorwerfen. Die wissenschaftlich qualitativ hochwertige Arbeit, die sich die EFSA selbst zuschreibt und auf der die Risikoprüfung basiert, ist somit einmal mehr in Frage gestellt worden. (Environmental Sciences Europe, 14.08.19, doi:10.1186/s12302-019-0238-5) (jd)

Ungenaue neue Gentechnik­verfahren

Wie Mitarbeiter*innen der US-amerikanischen Lebensmittelbehörde FDA berichten, ist bei der gentechnischen Veränderung von Rindern unabsichtlich Genmaterial von Bakterien übertragen worden. Die Rinder waren mit einem Verfahren namens TALENs verändert worden, was 2016 von einem Team um Daniel F. Carlson in dem Wissenschaftsmagazin Nature Biotechnology veröffentlicht worden war. Mittels TALENs wurde Rindern Hornlosigkeit übertragen. Die gentechnische Methode wird zu den Methoden des Genome Editing gezählt. Diese werden oft als besonders präzise beschrieben. Ob die unerwünschte Veränderung im Genom der Rinder zu negativen Effekten geführt hat, ist offen. Die Wissenschaftler*innen der FDA plädieren für die Anwendung von Sequenzierungsmethoden, die geeignet sind, vergleichbare nicht gewollte Integrationen von DNA aufzuspüren. Im deutschsprachigen Raum hatte zuerst die Nichtregierungsorganisation Testbiotech die Ergebnisse der FDA-Wissenschaftler*innen aufgegriffen. (Norris, Alexis L. et al. (2019): Template plasmid integration in germline genome-edited cattle. Vorabveröffentlichung, 28.07.19, www.biorxiv.org, doi: 10.1101/715482; Testbiotech, 06.08.19, www.testbiotech.org; Nature Biotechnology, 06.05.16, doi: 10.1038/nbt.3560) (pau)

USA lobbyieren für Deregulierung in der EU

Wie die Nichtregierungsorganisation Corporate Europe Observatory (CEO) im Juli berichtete, üben die Vereinigten Staaten Druck auf die Europäische Union aus, damit diese neue Gentechnikverfahren dereguliert. Das geht aus Unterlagen hervor, die CEO auf der Basis von Transparenzanfragen an die Europäische Kommission zur Verfügung gestellt bekommen hat. Darunter ist zum Beispiel auch das Protokoll eines Treffens von EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis mit Ted McKinney, einem hohen Beamten des US-Landwirtschaftsministeriums, am 5. September 2018. CEO zufolge habe McKinney deutlich gemacht, dass die EU ihre „Gentechnik-Regulierung ändern müsse“. Auch habe er von zwei europäischen Biotech-Unternehmen berichtet, die ihm versichert hätten, dass sie die EU verlassen würden. Als Begründung dafür habe McKinney auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom 25. Juli 2018 (Rechtssache C-528/16) verwiesen, demzufolge neue Gentechnikverfahren unter das bestehende Gentechnikrecht der EU fallen. Bereits kurz nach diesem Urteil hatte der US-Landwirtschaftsminister Sonny Perdue dies als einen „Rückschlag“ bezeichnet. Es würde „unberechtigterweise neue Technologien stigmatisieren“. (CEO, 24.07.19, www.corporateeurope.org) (pau)

Glyphosat

Bayer versucht in den USA mit einem Vergleich hohe Strafzahlungen für durch das Beikrautvernichtungsmittel Glyphosat verursachte Schäden zu vermeiden. Nach nicht bestätigten Meldungen wurde etwa 18.000 Kläger*innen ein Vergleichswert in Höhe von acht Milliarden US-Dollar angeboten. In der Folge wurden mehrere Glyphosat-Prozesse bis auf weiteres verschoben. Bis zum Ende des Jahres erwartet der Konzern den Eingang vieler weiterer glyphosatbezogener Klagen – von bis zu 45.000 ist die Rede. Bayers Aktienwert ist seit dem ersten Urteil in der Debatte im letztem August um ungefähr 30 Prozent gesunken. In Deutschland hat die Bundesregierung im Zuge eines Aktionsprogramms für den Insektenschutz glyphosathaltige Pestizide ab dem 31.Dezember 2023 verboten. Dies ist der europarechtlich früheste Zeitpunkt. Schon vorher soll der Einsatz von Glyphosat stark gesenkt werden. (taz, 09.08.19, www.taz.de; PM Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, 04.09.19, www.bmu.de; Reuters, 16.10.19, www.reuters.com) (jd)

Roundup Ready-Soja schädigt Ratten

Wissenschaftler*innen haben in einem 18-tägigen Fütterungsversuch mit Ratten die Auswirkungen von gentechnisch veränderter (gv) Soja (Roundup Ready) auf die Tiere untersucht. Für den Versuch wurden 30 weibliche und 30 männliche Wistar Albino-Ratten in drei Gruppen aufgeteilt. Das Futter aller Gruppen hatte einen 30-prozentigen Soja-Anteil. Die Kontrollgruppe bekam nur konventionelle Soja im Futter, die mittlere Gruppe 50 Prozent gv-Soja (T1) und eine weitere 100 Prozent gv-Soja (T2). Die meisten der untersuchten biochemischen Blutparameter zeigten keine signifikanten Unterschiede zwischen den drei Gruppen. Allerdings waren die Werte von Triglyceriden und Lactatdehydrogenase (LDH) im Blut der weiblichen Tiere der mit gv-Soja gefütterten Gruppen (T1 und T2) signifikant höher. Hohe Triglyceridwerte können unter anderem auf Übergewicht oder Nierenschäden hinweisen. LDH wird als Laborparameter benutzt um Zellschädigung anzuzeigen. Vereinzelt wurden bei den Ratten, die gv-Soja zu fressen bekommen hatten, weitere Anomalien im Blut festgestellt, die auf Veränderungen der Nieren- und Leberstruktur hinweisen könnten. Außerdem wurden vereinzelt leichte Veränderungen in der Organstruktur festgestellt. Die Wissenschaftler*innen schlagen vor, die Sicherheitsstandards für gv-Pflanzen zur Tierfütterung oder der menschlichen Ernährung zu überarbeiten. (The Journal of Basic and Applied Zoology, 18.07.19, doi: 10.1186/s41936-019-0114-2) (jd)

Gv-Mücken kreuzen sich mit Artverwandten

Gensequenzen von in Brasilien ausgesetzten gentechnisch veränderten (gv) Mücken wurden in wilden Mücken gefunden. Die gv-Mücken wurden von der Firma Oxitec Ltd. entwickelt und tragen ein tödliches Gen in sich. Verpaaren sich die gv-Mücken mit anderen Mücken, soll das Gen zu 100 Prozent an die Nachkommen gegeben werden, welche dann im Larven- oder Puppenstadium sterben sollen. Ziel ist es, auf diesem Weg die Mückenpopulation stark zu reduzieren. Stattdessen haben anscheinend Teile der Population der gv-Mücken überlebt und sich trotz des tödlichen Gens erfolgreich fortgepflanzt. Laut einer aktuellen Studie tragen 10 bis 60 Prozent von Mücken in Wild-Population verschiedene Gensequenzen der gv-Mücken in sich. Dabei handelt es sich um verschiedene kurze Gensequenzen aber nicht um die vollständig eingebauten todbringenden Gene. Diese Gensequenzen sind eindeutig identifizierbar, da die gv-Mücken eine Mischung aus zwei Mückenpopulationen (aus Kuba und Mexiko) sind und damit in dem Gebiet natürlicherweise nicht vorkommen. Das Erbgut der gv-Mücken breitet sich anscheinend auch auf benachbarte Regionen aus. Die kurzfristige Reduzierung der Mückenpopulation nach der Freisetzung der gv-Mücken in dem Zielgebiet ist heute wieder auf Vorversuchslevel. (Scientific Reports, 10.09.19, doi:10.1038/s41598-019-49660-6) (jd)

„Goldener Reis“ nur aufwendig lagerfähig

Eine aktuelle Studie zeigt, dass der sogenannte „Goldene Reis“ während der Lagerung einen Großteil seines Gehaltes an Beta-Karotin (Provitamin A) verliert. Haritha Bollinedi und Kolleg*innen vom Indischen landwirtschaftlichen Forschungsinstitut (IARI) in Neu Delhi haben gezeigt, dass der gentechnisch veränderte Reis ohne Schutz wie Kühlung oder Vakuumverpackung in sechs Monaten bis zu 84 Prozent des Beta-Karotins verlieren kann. Der Verlust ist im Vergleich höher, wenn der Reis im polierten Zustand gelagert wird. Das sei in asiatischen Ländern die Regel, wie das Nachrichtenportal New Age Bangladesh schreibt. Goldener Reis wurde entwickelt, um gegen die Vitamin D-Mangelernährung eingesetzt zu werden, was insbesondere in manchen asiatischen Ländern ein großes Problem ist. Beta-Karotin ist ein Vorläufer-Molekül von Vitamin D und kann im menschlichen Körper in dieses umgebaut werden. (Food Chemistry, 30.11.18, doi: 10.1016/j.foodchem.2018.11.121; New Age Bangladesh online, 27.06.19, www.newagebd.net) (pau)

Trockentoleranter gv-Mais hält nicht was er verspricht

Das Ministerium für Fischerei, Land- und Forstwirtschaft von Südafrika hat entschieden, einen von Monsanto entwickelten gentechnisch veränderten (gv) Mais nicht zuzulassen. Der Mais soll trockentolerant sein und hat eine eingebaute Insektengiftigkeit. Das Ministerium erklärte, der Mais werde nicht zugelassen, weil er keine statisch signifikant höheren Ernteerträge bei Wassermangel erreicht als konventionelle Sorten. Die Erträge des gv-Mais waren häufig unbeständig, zum Teil sogar niedriger als die der konventionellen Maissorten. Außerdem wären die Belege für die Wirksamkeit der Insektengiftigkeit unzureichend. Der Mais wurde schon einmal abgelehnt, Monsanto (heute Bayer) legte jedoch im November 2018 Berufung ein. Die jetzige Entscheidung des Ministeriums bestätigt, dass die erste Ablehnung des Mais korrekt war und es mehr Belege für die Versprechen bezügliche des Mais benötigt. Das African Center for Biodiversity (ACB) verlangt seit Jahren Nachweise für die Trockentoleranz von gv-Pflanzen. ACB kritisiert das von der Bill und Melinda Gates-Stiftung geförderte Programm Water Efficient Maize for Africa (WEMA) als die Propagierung „westlicher biotechnologischer Lösungen für Klimawandel und Hunger“, die keine tatsächlichen Vorteile für die lokale Bevölkerung bringen. (Department Agriculture, Forestry and Fisheries, 03.10.19, www.daff.gov.za; African Center for Biodiversity, 04.10.19, www.acbio.org.za) (jd)

Zehn Jahre „Ohne GenTechnik“

Der Verband Lebensmittel ohne Gentechnik (VLOG) hat Ergebnisse einer aktuellen Umfrage mitgeteilt. Demzufolge bevorzugen „69 Prozent der Bevölkerung in Deutschland Lebensmittel mit einer ‚Ohne Gentechnik‘-Kennzeichnung“. 71 Prozent würden „den Einsatz von gentechnisch veränderten (gv) Pflanzen zur Fütterung von Tieren“, aus oder mit denen Milch, Eier und Fleisch hergestellt werden, negativ bewerten. Der VLOG vergibt das „Ohne GenTechnik“-Siegel im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Das hatte die Ohne Gentechnik-Kennzeichnung 2009 unter der damaligen Ministerin Ilse Aigner (CSU) umfassend novelliert, um einer Kennzeichnungslücke im Europäischen Gentechnikrecht zu begegnen. Obwohl gentechnisch veränderte Lebens- und Futtermittel in der EU auch seinerzeit gekennzeichnet werden mussten, war es für Verbraucher*innen nicht möglich, diese Art der Fütterung an tierischen Produkten zu erkennen. Das liegt an der – bis heute gültigen – Logik der Kennzeichnungsregulierung der EU. Gekennzeichnet wird – vereinfacht gesagt, was aus gentechnisch veränderten Organismen besteht oder selbst einer ist. Was unter Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen hergestellt wird, muss nicht als gentechnisch verändert gekennzeichnet werden. Kritiker*innen der Ohne Gentechnik-Kennzeichnung führen unter anderem an, dass die Tiere teilweise gv-Pflanzen gefressen haben können, da die VLOG-Statuten Umstellungszeiten beinhalten. (PM VLOG, 06.08.19. www.ohnegentechnik.de; siehe GID-Schwerpunkt der Ausgabe 245, Mai 2018, www.gen-ethisches-netzwerk.de) (pau)

Polen führt „Ohne Gentechnik“-Siegel ein

In Polen tritt 2020 eine nationale Kennzeichnungsregelung für Futter- und Lebensmittel ohne Gentechnik in Kraft. Anders als in Deutschland dürfen in Polen Produkte als gentechnikfrei gekennzeichnet werden, die Verarbeitungshilfsstoffe, Aromen und Enzyme enthalten, die aus oder durch gentechnisch veränderte (gv) Organismen erzeugt wurden, sofern es keine Alternative gibt. Laut Alexander Hissting, Geschäftsführer des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik, machen immer mehr europäische Länder Gebrauch von einem entsprechenden nationalen Siegel. In Europa gilt eine Kennzeichnungspflicht für Produkte, die aus, aber nicht mithilfe von gv-Organismen erzeugt wurden. So müssen unter anderem Molkereiprodukte nicht gekennzeichnet werden, wenn die Tiere gv-Futtermittel erhalten hatten. Hier schließt die freiwillige „Ohne Gentechnik“-Kennzeichnung der Staaten die Informationslücke für den_die Verbraucher*innen. Ziel sei es, eine einheitliche Regelung in Europa zu schaffen, so Hissting. (Bundesinstitut für Risikoberatung, 18.10.03, www.bfr.bund.de; Ohne Gentechnik, 18.09.19, www.ohnegentechnik.org) (sk)

Erneute Prüfung der Zulassung von gv-Soja abgelehnt

Im September 2019 wies der Europäische Gerichtshof den Antrag von drei deutschen Nichtregierungsorganisationen auf erneute Prüfung der Risiken der gentechnisch veränderten (gv) Sojabohne „Intacta“ ab. Somit ist die Soja weiterhin in Futter- und Lebensmitteln zugelassen. Die NGOs kritisieren das Risikobewertungsverfahren wegen dem unzureichenden Vergleich der gv-Soja mit konventioneller Soja. Außerdem wurden Kombinationseffekte der gv-Soja mit dem im Anbau eingesetzten Herbizid Glyphosat in der Prüfung nicht beachtet und Effekte auf das menschliche Immunsystem und die Gesundheit nur mangelhaft untersucht. Entgegen der Einschätzung der Kritiker*innen wurde „Intacta“ im Jahr 2012 von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit als unbedenklich eingestuft und erhielt die Zulassung für den Import in die EU. In dem langjährigen Gerichtsprozess versuchten Testbiotech, das Europäische Wissenschaftler*innen-Netzwerk ENSSER und der Verein Sambucus vergeblich eine interne Überprüfung des Zulassungsbeschlusses zu erreichen. (Testbiotech, 12.09.19, www.testbiotech.org; InfoCuria, 12.09.19, www.curia.europa.eu, Rechtssache C-82/17P) (sk)

Zulassung von acht neuen gv-Pflanzen

Die europäische Kommission erteilte im Juli 2019 zehn gentechnisch veränderten (gv) Pflanzen eine neue Zulassung. Die Entscheidung wurde auf Grundlage der Prüfung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) getroffen. Über 40 Verbände kritisieren das Prüfverfahren der Behörde bei den neu zugelassenen Baumwoll-, Mais-, Nelken- und fünf Sojabohnensorten. Risiken der gv-Pflanzen auf Mensch, Tier und Umwelt seien mangelhaft untersucht worden. Die EFSA habe dazu keine Studien vom Hersteller Monsanto (jetzt Bayer) gefordert, so der Verein Coordination gegen Bayer-Gefahren. Desweiteren wurden zwei Zulassungen von gv-Pflanzen für zehn Jahre verlängert. Die Zulassungen gelten für den Import der gv-Pflanzen als Lebens -und Futtermitteln, nicht aber für deren Anbau in Europa. Die Amtszeit der Kommission endet im November. Der Geschäftsführer von Testbiotech, Christoph Then, befürchtet, dass zu den letzten Entscheidungen der Kommission auch die Zulassung zum Anbau von gv-Pflanzen gehören könnte. Anträge für die Anbauzulassungen von weiteren gv-Maissorten liefen bereits. Bisher verfügt nur eine gv-Pflanze über eine Anbaugenehmigung in der EU, Monsantos Mais MON810. (CGB, 02.08.19, www.cbgnetwork.org; Keine Gentechnik, 20.08.19, www.keine-gentechnik.de) (sk)

Ansteckende Gene Drives

Einer neuen Untersuchung zufolge besteht das Risiko der Einkreuzung von Gene Drives in andere Arten. Gene Drive-Organismen sind spezielle, gentechnisch veränderte Organismen. Ihnen werden Gene eingebaut, die zum Tod führen oder die Fortpflanzung stören sollen. Das Besondere an den genutzten Genkonstrukten – der Gene Drive – ist, dass sie zu 100 Prozent an die Folgegenerationen vererbt werden (siehe „Gene Drives vs. Evolution“, Seite 11 in dieser GID-Ausgabe). Die Wissenschaftler*innen befassten sich theoretisch mit den Prozessen, die das Auskreuzungsrisiko von Gene Drives ausmachen. Insgesamt betrachteten sie sieben Prozesse, die sie zu einer Formel zusammenfassten. Zum Beispiel analysierten sie die wissenschaftliche Literatur nach der Wahrscheinlichkeit eines horizontalen Gentransfers zwischen verschiedenen Arten. Dies stellt einen der sieben Prozesse dar, der ausführlich und mit Beispielen in der Studie beschrieben wird. Die Formel soll Entwickler*innen und Forscher*innen helfen, die Reichweite des Risikos von Gene Drives sowie die Eintrittswahrscheinlichkeit von Auskreuzungen abschätzen zu können. (bioRxiv, 19.09.19, doi: 10.1101/776609) (jd)

Bald gv-Lachs im Meer?

NGOs befürchten die unbeabsichtigte Freisetzung von gentechnisch verändertem (gv) Lachs. Sie protestieren gegen eine Fischaufzuchtstation, die in derselben Einrichtung gentechnisch veränderte und konventionelle Lachseier produziert. Die NGOs fordern Unternehmen der Fischzucht und der Fischindustrie auf, die Lachseier der Firma AquaBounty zu boykottieren. Die größte Befürchtung ist, dass gv-Lachseier versehentlich an Fischzuchtstationen mit Aquakulturen im Meer verkauft werden. Es ist bekannt, dass Fische aus maritimen Gehegen häufig freikommen. Im Falle von gv-Lachs könnte dies die unwiderrufliche Einkreuzung mit Wildlachs bedeuten. Das kanadische Ministerium für Umwelt hatte die kritisierte Anlage im April 2019 genehmigt. Eine Risikobewertung von Fisheries and Oceans Canada in 2019 empfahl eine Reihe von baulichen Gegebenheiten, um das Risiko zu minimieren. Am Ende sind dies allerdings nur Empfehlungen und keine Bedingungen. Das kanadisch-US-amerikanische Unternehmen AquaBounty produziert mit dem Lachs das weltweit einzige gentechnisch veränderte Tier für die menschliche Ernährung. Die gentechnisch veränderten Lachse werden in Kanada und den USA vermarktet. (Fisheries and Oceans Canada, 01.04.19, www.dfo-mpo.gc.ca; Canadian Biotechnology Action Network, 12.09.19, www.cban.ca) (jd)

Monsanto-Lobby in der EU

Der finanzielle Umfang der Lobby-Aktivitäten der heutigen Bayer-Tochter Monsanto war in den vergangenen Jahren offenbar größer, als im offiziellen Lobbyregister der EU angegeben. Das geht aus Unterlagen hervor, die im Zuge des Bekanntwerdens der digitalen Überwachung von Kritiker*innen Monsantos geleakt wurden. Das schreibt die Nichtregierungsorganisation Corporate Europe Obsevatory (CEO) auf ihrer Webseite. In einem – vom Chemiekonzern Bayer veröffentlichten – Bericht der Rechtsberatungsfirma Sidley Austin (Brüssel) werden Kosten von 14,5 Millionen Euro für die Zusammenarbeit von Monsanto und der Kanzlei Fleishman-Hillard als Teil der Kampagne für die Wiederzulassung des Beikrautvernichtungsmittels Glyphosat in Europa und den USA genannt. Fleishmann-Hillard hat die Listen der Unterstützer*innen und Kritiker*innen von Monsanto angelegt. Die offiziellen Beträge im Register der EU waren mit 800.000 Euro – die Fleishman-Hillard von Monsanto im Jahr 2016 bekommen habe – und 1,45 Millionen Euro für Monsantos gesamtes Lobby-Budget (EU, September 2016 bis August 2017) angegeben. CEO wertet diese Differenzen als klaren Fall von Fehlinformation. In der Folge hat die insbesondere mit dem Aufdecken von EU-Lobbying befasste Nichtregierungsorganisation Beschwerden gegen beide Unternehmen beim Transparenzregister der EU eingereicht. (PM Bayer, 05.09.19, www.bayer.com; CEO, 19.09.19, www.corporateeurope.org) (pau)

Kaum Anstieg des weltweiten Anbaus von gv-Pflanzen

Im Vergleich zu 2017 ist die Fläche des weltweiten Anbaus von gentechnisch veränderten (gv) Pflanzen im Jahr 2018 um ein Prozent angestiegen. Das sind 191,7 Millionen Hektar im globalen Anbau. Die Zahlen stammen aus dem jährlich erscheinenden Bericht des industrienahen Internationalen Service für die Verbreitung der Agro-Gentechnik (ISAAA) über den Stand des globalen kommerziellen Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen 2018. Laut ISAAA machen Soja, Mais, Baumwolle und Raps 99 Prozent der angebauten gv-Pflanzen aus. In Europa verteilte sich der kommerzielle Anbau von 121.000 Hektar 2018 auf zwei Länder: Portugal und Spanien. Zwei Jahre zuvor wuchs gv-Mais in insgesamt vier Ländern (Tschechische Republik, Slowakei, Spanien und Portugal) auf einer Fläche von 136.000 Hektar. ISAAA wird unter anderem finanziert von der Lobbyorganisation Crop Life international, zu dessen Mitgliedern zum Beispiel Bayer, BASF oder Syngenta zählen. ISAAA ist eine von nur wenigen Organisationen, die Daten zum weltweiten Anbau von gv-Pflanzen und dem Stand der Agrar-Gentechnik veröffentlichen. (ISAAA, 22.08.19, www.isaaa.org; Infodienst Gentechnik, 03.09.19, www.keine-gentechnik.de) (sk)

USA: Amarant ist resistent gegen verschiedene Herbizide

Eine Amarant-Art mit Resistenzen gegen mehrere Herbizide stört große Teile der US-Landwirtschaft. Amaranthus palmeri, Palmer´s amaranth auf Englisch, hat die Fähigkeit sehr schnell Resistenzen gegenüber Herbiziden zu entwickeln. In den USA sind viele der Pflanzen gegen die Herbizide Glyphosat, 2,4-D und Dicamba resistent. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Pflanze liegt im Südwesten der USA und in Mexico. Heutzutage sind – vor allem die resistenten Sorten – in vielen Staaten der USA, sowie in Argentinien und Brasilien zu finden. Vor allem Baumwoll- und Sojafelder sind von dem Bewuchs betroffen. Palmer´s amaranth ist ein sehr konkurrenzstarkes Beikraut, welches Nutzpflanzen überwachsen und somit stark schädigen kann. Bis zu acht Zentimeter am Tag wächst die Pflanze unter guten Bedingungen. Neben Herbiziden kann der Aufwuchs von Amarant durch eine Winterbegrünung der Felder sowie eine durchdachte Fruchtfolge stark reduziert werden. (Chemical & Engineering News, 03.08.19, https://cen.acs.org) (jd)

Spuren von gv-Soja in Lebens­mitteln

Jedes vierte konventionelle Sojaprodukt weist Spuren von gentechnisch veränderter (gv) Soja auf. Das ist das Ergebnis des Ökomonitoring-Programms des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR) für ausgewählte Sojaprodukte aus verschiedenen Herkunftsländern. Bei der jährlich durchgeführten Kontrolle werden unter anderem Proben von konventionellen und ökologischen Erzeugnissen vergleichend auf Verunreinigung mit gentechnisch verändertem Material untersucht. Insgesamt wurden Proben von 104 ökologischen und 83 konventionellen Produkten genommen. Erstere wiesen mit 8,7 Prozent eine deutlich geringere Kontamination mit gv-Soja auf als konventionelle Produkte mit 25,3 Prozent. Keines der betroffenen ökologischen Produkte enthält über 0,05 Prozent gv-Soja, hingegen lagen die Werte zweier konventioneller Proben über 0,1 Prozent. Die Kennzeichnungspflicht tritt laut EU-Bestimmung für diese Produkte trotz Verunreinigung nicht ein, da der Grenzwert bei 0,9 Prozent Verunreinigung liegt. Niedrigere Kontaminationen müssen dem Verbraucher nicht sichtbar gemacht werden. (MLR Baden- Württemberg, 31.07.19, www.oekomoni
toring.cvuas.de; Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Freiburg, 23.09.19, www.cvua-freiburg.de) (sk)

Schweiz: Für Regulierung und Moratorium

In der Schweiz sind Politiker*innen mit großer Mehrheit für eine Fortsetzung des Anbau-Moratoriums für gentechnisch veränderte Pflanzen. Auch eine Regulierung neuer Gentechnikverfahren und der daraus hergestellten Produkte wird mit großer Mehrheit unterstützt. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Schweizer Allianz Gentechfrei (sag) hervor. Die sag hatte im Vorfeld der Wahlen am 20. September dieses Jahres über 300 Kandidat*innen für National- und Ständerat befragt. Mehr als 85 Prozent haben sich für Moratorium und Regulierung ausgesprochen. Auch eine Forderung nach einer Kennzeichnung von Produkten, die mit neuen Gentechnikverfahren hergestellt wurden, unterstützten die Politiker*innen. Knapp 95 Prozent stimmten in der Umfrage dafür. (sag, 24.09.19, www.gentechfrei.ch) (pau)

Bananen mit Gentechnik?

Kolumbien ruft den nationalen Notstand aus. Im Juli 2019 wurden erstmals Plantagen, die mit dem Pilzerreger Tropical Race 4 infizierte sind, unter Quarantäne gestellt. TR4 verursacht global enorme Schäden in der Bananenproduktion und ist nicht zu bekämpfen. Der Pilz ist pestizidresistent und kann bis zu 30 Jahre im Boden überdauern. Mit dem Fund in Kolumbien gibt es den ersten Nachweis auf dem amerikanischen Kontinent. Durch Gentechnik konnten australische Wissenschaftler die global angebaute Bananensorte Cavendish resistent gegenüber dem Pilz machen. Martin Blaser von Fairtrade, sieht den Ausweg eher bei der Behebung der Ursache, der intensiven Landwirtschaft mit Monokulturen. Krankheitserreger können sich an genetisch kaum variable Pflanzen, wie Bananen, leicht anpassen. In Europa müsste für den Import von gv-Bananen zunächst eine Zulassung erfolgen. (Reuters, 15.07.19, www.reuters.com; Tagesanzeiger, 04.09.2019, www.tagesanzeiger.ch) (sk)

Paraguay muss Pestizid-Opfer entschädigen

Die Regierung von Paraguay ist für die Vergiftung von Landarbeiter*innen und deren Kindern durch Agrargifte in dem Department Canindeyú verantwortlich. Gleiches gilt für die Vergiftung von Wasser, Boden und Lebensmitteln. Das hat der UN-Menschenrechtsausschuss entschieden. Wie das Büro des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR) am 14. August mitteilte, fordert der Ausschuss die Regierung dringend auf, eine effektive und umfassende Untersuchung durchzuführen. Zudem müssen die Opfer entschädigt und die unmittelbar Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden. Entsprechende Entscheidungen müssen in einer Tageszeitung mit einer großen Verbreitung veröffentlicht werden. Canindeyú ist eine Region mit starker Ausbreitung agrarindustrieller Landwirtschaft und intensiver Mechanisierung, sowie mit weit verbreiteter Nutzung von gentechnisch veränderter Soja. Letztere wird in dem Land in Verbindung mit korrespondierenden Beikrautvernichtungsmitteln angebaut. Die Pflanzen tragen eine Toleranz gegen diese Mittel, in der Regel kommt Glyphosat als Wirkstoff zum Einsatz. (OHCHR, 14.08.19, www.ohchr.org) (pau)

GID-Redaktion

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GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
251
vom November 2019
Seite 19 - 22

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