Rezension – Gebärmuttergedanken

Ist das Patriarchat besiegt? Die alte Herrschaft der Patriarchen, der Väter, scheint jedenfalls zu bröckeln – die Gesellschaftsordnung, nach der wie in der alten römischen Rechtsauffassung die Mutter immer sicher ist, allerdings auch. Dazu tragen nicht zuletzt eine Ausweitung der Reproduktionstechnologien und der sozialen Bewegungen um Sexualität und Gender bei. „Leihmutterschaft“, Patchworkfamilien, schwangere Männer – diese Entwicklungen in ihrer ganzen Breite und Tiefe zu analysieren ist der Politologin Antje Schrupp in ihrem Essay „Schwangerwerdenkönnen“ gelungen. Die evangelische Anarchistin entwirft ein Panorama der Bedeutungen davon, schwanger werden und Kinder gebären zu können und fordert eine gesellschaftliche Debatte über die aktuellen Verschiebungen. Die zunehmende Komplexität ist für sie kein Grund zur Klage, sondern für eine intensivierte feministische, politische Analyse und Selbstverständigung. Die Richtung ist für sie klar: Wenn Menschen, die – aus welchen Gründen auch immer – keine Kinder bekommen können, mit Kindern leben wollen, müssen sie in irgendeiner – sozialen, nicht kommerziellen oder vertraglichen – Weise mit den Menschen in Beziehung treten, die schwangerwerdenkönnen.

➤ Schrupp, Antje (2019): Schwangerwerdenkönnen. Essay über Körper, Geschlecht und Politik. Frankfurt a. M.: Ulrike Helmer Verlag, 192 Seiten, 17,- Euro, ISBN 978-3-89741-435-8.

Kirsten Achtelik arbeitet als freie Autorin und Journalistin zu behinderten- und geschlechterpolitischen Themen.

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GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
252
vom Februar 2020
Seite 37

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