Rezension – Zwischen Lebensbericht, Weltanschauung und Empörung

In dem Buch „Eine andere Welt ist möglich“ fordert Vananda Shiva die Leser*innen zum zivilen Ungehorsam auf. Ihres Erachtens befinden sich Staat und Regierung in den Fängen von den Lobbyisten der Saatgutindustrie. Nur Bürger*innen mit gesundem Menschenverstand können die Wende zu einer sozial verträglichen und nachhaltigen Welt einleiten. Besonders die Bäuer*innen leiden unter der Monopolisierung auf dem Saatgutmarkt und dem staatlichen Druck, auf gentechnisch verändertes Saatgut umzusteigen. Dies bedeute meistens, die eigene Züchtung und damit die eigene Autarkie aufzugeben. Als Ökofeministin betont Shiva die starke Verbindung der Frauen zur Natur, die sich Männer aneignen müssten, um nachhaltig handeln zu können. Ihre Erzählweise ist einfach und eingänglich. Schließlich möchte sie durch Aufklärung die Basis der Demokratie, die Bürger*innen und Bäuer*innen zum Aufstand gegen das herrschende System animieren. Sie belegt ihre Argumente mit zahlreichen Beispielen von erfolgreichen Aufständen von Bäuer*innen in Indien, bei denen sie Mitwirkende war. Leider wirkt Shivas Weltbild stark pauschalisiert und polarisiert; patriarchaler Kapitalismus gegen Kleinbäuer*innen im globalen Süden. Darin müssen Lobbyist*innen, im Auftrag der Wirtschaft arbeiten und überhaupt die Saatgutkonzerne wie Montsanto, die nur die Unterdrückung und Irreführung der Bäuer*innen im Sinn haben, bekämpft werden. Dieses schwarz-weiß Denken überschattet ihre vielfältigen Begründungen für Saatgutfreiheit, extensive Landwirtschaft und Anregungen zum Protest. Vandana Shiva sieht in der Rückkehr zur kleinbäuerlichen Landwirtschaft mit regionalem Saatgut letztlich die Beendigung der Sinnkrise, die die ganze Welt fehlleite. Somit bietet die Lektüre einen guten Einstieg in die komplexen Strukturen der globalen Landwirtschaft und deren Auswirkungen auf das moderne Indien, schließt jedoch mit einer sehr romantischen Aussicht auf eine andere Welt.

➤ Shiva, Vandana (2019): Eine andere Welt ist möglich. Aufforderung zum zivilen Ungehorsam. München: Oekom Verlag, 189 Seiten, 20,- Euro, ISBN 978-3-96238-134-9.

Sonja Klinger ist Praktikantin im GeN (10-12/2019)

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GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
252
vom Februar 2020
Seite 37 - 38

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