Rezension: Von „Kuckucks-“ und Spenderkindern

Psychoanalytikerin Christine Müller musste sich auf eine intensive Suche begeben, um erwachsene „Kuckucks-“ und Spenderkinder zu finden, die ihr von der Aufdeckung ihrer tabuisierten Herkunftsgeschichte berichten wollten. In ihrer für Lai*innen teils anspruchsvollen, insgesamt aber sehr zugänglichen Dissertation befasst sie sich mit den psychischen Folgen der Erkenntnis um die Wahrheit der eigenen Familiengeschichte. Durch akribische Auswertung von 16 autobiografischen Erzählungen analysiert Müller, wie sich die meist spät in Erfahrung gebrachten Verwandtschaftsverhältnisse von „Kuckucks-“ und Spenderkindern auf ihr subjektives Selbstverständnis und soziales Gefüge auswirken. Während der theoretische Teil mit vielseitigen Thesen zur Bildung und Funktion von Identität, Emotion und sozialem Umfeld besticht, bietet der empirisch-methodische Teil einige interessante Einblicke in die Methoden der qualitativen Sozialforschung. Die übersichtlich bebilderten Darstellungen und Detail-Analysen der Interview-Situationen bergen lesenswerte, authentische Momente, deren psychologische Einordnung wohl jede*n an der einen oder anderen Stelle persönlich berühren. Kurze Erläuterungen helfen dabei in Teilen über die Komplexität der angewandten Methodik hinweg.

➤ Müller, C. (2020): Schattenvater – Narrative Identitätskonstruktionen von „Kuckuckskindern“ und „Spenderkindern“. Gießen: Psychosozial-Verlag, 388 Seiten, 44,90 Euro, ISBN 978-3-83793-020-7.

 

Theresa Roy war von Oktober 2020 bis April 2021 Redakteurin des GID und Mitarbeiterin im GeN.

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GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
257
vom Mai 2021
Seite 37 - 38

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