FGU setzt wichtige Impulse für zivilgesellschaftliche Beteiligung

Am 11. Dezember fand die Abschlusskonferenz des Pilotprojektes Fachstelle Gentechnik und Umwelt (FGU) statt. Aus diesem Anlass kommentiert das GeN als Mitglied im Beirat der FGU das Projekt.

Seit nunmehr zwei Jahren ist die promovierte Molekularbiologin Katharina Kawall für die Fachstelle Gentechnik und Umwelt (FGU) tätig. In dieser Zeit hat sie zivilgesellschaftliche Organisationen und die interessierte Öffentlichkeit mit ihrer Expertise und Beratung in den aktuellen Diskussionen über die neuen Gentechnikverfahren (zum Beispiel CRISPR-Cas) bereichert. Die FGU ist ein Pilotprojekt, das mit Mitteln des Bundesumweltministeriums eingerichtet wurde, um die Partizipation der Gesellschaft an der Debatte um die neuen Gentechniken zu fördern. Für eine angemessene Partizipation müssen relevante Informationen aktuell, wissenschaftlich fundiert und möglichst allgemein verständlich aufbereitet werden.

Im Zuge dieser Zielsetzung der FGU erstellte Kawall öffentlich zugängliche Hintergrundpapiere, hielt Vorträge (z.B. hier) und veröffentlichte einen eigenen Review-Artikel in einem Fachjournal. Ein weiterer Fachartikel ist in Bearbeitung.

Konferenz der FGU: „CRISPR macht‘s möglich?“

Am 11. Dezember fand die Abschlusskonferenz des Projektes in Berlin statt. Hier wurden die Ergebnisse der FGU präsentiert und in die aktuellen Diskurse um die neuen Gentechniken eingeordnet. Zudem wurde der Versuch unternommen, die Rolle der FGU in ihrem gesellschaftlichen – und teilweise auch politischen – Kontext zu diskutieren. An der Veranstaltung nahmen etwa 50 Personen aus Politik, Verbänden und der interessierten Öffentlichkeit teil.

Ein wichtiger Aspekt der Fachstelle, der auch auf der Konferenz immer wieder betont wurde, ist die Richtung der Fragestellungen zu den neuen Gentechniken. Für Umweltverbände bietet sich durch die Zusammenarbeit mit der FGU die Möglichkeit, an der Formulierung von relevanten Forschungsfragen mitzuwirken. Kawall untersuchte dementsprechend die neuen Technologien aus der Perspektive von Vorsorge, Verbraucher*innen- und allen voran Umweltschutz und nicht auf landwirtschaftliche Anwendungspotenziale hin. In Anbetracht der bestehenden Fachdisziplinen, die sich mit den neuen Gentechniken beschäftigen, bereicherte Kawall daher eine sonst leider unterrepräsentierte Perspektive.

Im Hinblick auf die Erarbeitung dieser Fragestellungen ist ein Blick auf den Beirat der FGU unerlässlich. Die erklärte Aufgabe des Beirates – in Austausch mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der FGU selbst – ist die Unterstützung bei der Feststellung des Aufklärungsbedarfs aus der Sicht von Nichtregierungsorganisationen aus dem Umweltbereich, jedoch nicht die Kontrolle der wissenschaftlichen Ergebnisse. Im Beirat der FGU sind verschiedene Nichtregierungsorganisationen vertreten, unter ihnen auch das Gen-ethische Netzwerk.

Das GeN im Beirat der FGU

Für das GeN ist die Arbeit der FGU – und unsere Mitarbeit in diesem Beirat – ein großer Gewinn. Die Vertreter*innen der Organisationen im Beirat haben wichtige Aspekte eingebracht, die in den aktuellen Diskussionen über die Nutzung und Regulierung neuer Gentechnikverfahren immer wieder von Relevanz sind. Katharina Kawall, auf der Stelle der FGU, konnte ihrerseits einbringen, wie diese Aspekte wissenschaftlich bearbeitet werden könnten. In der Kooperation konnten auf diesem Weg die Fragestellungen gemeinsam ausformuliert werden.

Die für diese Kooperation entwickelte Struktur von Fachstelle (mit Wissenschaftlerin) und Beirat (mit Vertreter*innen zivilgesellschaftlicher Organisationen) hatte in der Vergangenheit auch Kritik auf sich gezogen. [Siehe dafür z.B. Artikel in der SZ bzw. auf SPON.] Diese Kritik bezog sich allein auf die strukturellen Aspekte der Fachstelle, Tenor: Wie kann die FGU unabhängig arbeiten, wenn sie von gentechnikkritischen Verbänden beraten wird, wie auf der Internetseite beschrieben?
Im Zusammenhang mit dieser Kritik stimmen wir von Seiten des GeN zu, dass der Umgang mit dem Begriff der Unabhängigkeit – ebenso wie der Umgang mit der Kritik daran – nicht immer glücklich war. Der Begriff der Unabhängigkeit ist auf verschiedenste Verbindungen anzuwenden und muss spezifiziert werden. Auch wenn der Begriff häufig mit einer ökonomischen Abhängigkeit assoziiert wird, ist das Spektrum doch viel weiter.

Erfreulicherweise wurde im Rahmen der FGU-Konferenz dem Diskurs um Abhängigkeit, Objektivität und Wissenschaft ein Raum geboten. Die Umweltethikerin Uta Eser war eingeladen, über Struktur und Arbeit der Fachstelle und ihren gesellschaftlich-wissenschaftlich-politischen Kontext zu reflektieren. Eser hat mit ihren Ausführungen zu Objektivität und Subjektivität im Wissenschaftsbetrieb Aspekte thematisiert, die nach unserem Verständnis auf die Frage von Unabhängigkeit und Abhängigkeit anwendbar sind. Subjektive Faktoren, denen sich schwer oder womöglich gar nicht entzogen werden kann, wie zum Beispiel die Sozialisation, haben Einfluss darauf wie Fragestellung und Methoden gewählt, wie Daten interpretiert und Ergebnisse bewertet werden. Demzufolge ist es wichtig, anzuerkennen, dass es vollständige Objektivität/ Unabhängigkeit nicht gibt, gar nicht geben kann und dass es somit in erster Linie darauf ankommt, sich der eigenen Positionierung/ Abhängigkeit bewusst zu sein. Abhängigkeit muss daher nicht per se ein negatives Qualitätskriterium sein, solange sich die Akteur*innen darüber bewusst sind und diese auch transparent machen. Im Falle der FGU ist die Perspektive der zu bearbeitenden Fragestellungen – wie oben bereits erklärt – ein fundamentaler und wichtiger Aspekt. Außerdem ist zu beachten, dass im gesellschaftlichen Diskurs nicht alle Abhängigkeiten gleich gewichtig sind. Die Interessen eines Vereines an öffentlicher Aufmerksamkeit sind zum Beispiel anders zu bewerten als das Interesse an der Refinanzierung von Forschung durch das Vermarkten eines Produktes. Eser hob in ihrem Vortrag außerdem hervor, dass durch den Disput über Fakten immer wieder übersehen wird, dass es eigentlich um Werte geht. Die Naturwissenschaft hat die Aufgabe wahr oder falsch zu klären, ob Technologien angewendet werden sollen ist hingegen eine ethische, gesamtgesellschaftliche und damit politische Aufgabe.

In dieser Aufgabenteilung ist die Fachstelle klar im Bereich der Wissenschaft zu verorten, auch wenn dies von Teilen der Kritiker*innen in Frage gestellt wurde. In diesem Zusammenhang möchten wir auch betonen, dass sich die bisher formulierte Kritik an der FGU nicht auf die Inhalte beziehungsweise die Ergebnisse der Fachstelle bezieht. So gab es zum Beispiel bisher keine kritische Antwort aus der Wissenschaft auf den bereits veröffentlichten Fachartikel von Kawall. Ein wichtiges Merkmal der Arbeit der FGU ist das Einhalten von wissenschaftlichen Qualitätskriterien wie unter anderem eine genaue Zitation und die Veröffentlichung in Journals mit Peer Review-Verfahren.

Wir möchten zum Schluss noch einmal deutlich machen, wie sehr uns und anderen Nichtregierungsorganisationen die Arbeit der Fachstelle Gentechnik und Umwelt genutzt hat. Wir haben die sich rasant entwickelnden Technologien besser und durchdringender begriffen und können diese Erkenntnisse über unsere Wege und Mittel weiter in die Gesellschaft hineintragen. Die Fachstelle trägt mit ihrer Arbeit daher zu einem informierten und ganzheitlichen Diskurs bei, in dem Partizipation aus allen Teilen der Gesellschaft und nicht nur ausschließlich aus der Wissenschaft gefragt ist!

Wir bedanken uns für eine anregende, und lehrreiche und teilweise auch herausfordernde Zeit im Beirat und hoffen auf ein Fortbestehen der Fachstelle Gentechnik und Umwelt sowie eine weiterhin gute und enge Zusammenarbeit.

Vielen Dank!

Das GeN

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