Rezension: Vorrang der Agrarökologie!
Boden und Land sind die entscheidende Ressource zur Produktion von Nahrungsmitteln und zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Ohne gute Böden und ausreichend Land lässt sich eine Zukunft nicht denken, in der die steigende Weltbevölkerung ernährt, Armut beseitigt und gleichzeitig biologische Vielfalt erhalten werden kann - zum Beispiel durch mit Wald bedecktes Land, das hilft, den Klimawandel zu begrenzen. Doch Land ist umkämpft. Land Grabbing für landwirtschaftliche Produktion ist mittlerweile weit bekannt und wird heftig kritisiert. Weniger bekannt dürfte sein, dass Menschen auch für den Naturschutz von ihrem Land vertrieben werden, unterstützt durch die Vereinten Nationen und bekannte Nichtregierungsorganisationen. Clausing erläutert die Theorie hinter dem Grabbing: Land Sparing. „Mehr Schutzgebiete und weniger landwirtschaftliche Nutzfläche, wobei auf letzterer dann mit hochintensiven Anbauverfahren unter Anwendung von Agrochemikalien, patentgeschützten Sorten und gegebenenfalls mit Gentechnik maximale Hektarerträge erzielt werden sollen.“(S. 49) So ließe sich beides, Naturschutz und Sicherung der Welternährung, erreichen. Und gleichzeitig würde mehr Platz für Wiederbewaldung geschaffen, der wiederum als Kohlenstoffsenke im CO2-Diskurs angerechnet werden könne. Clausing beschreibt die Hintergründe ausführlich und legt den Zynismus der Argumentation offen. Nach einer knappen Darstellung von „Greenwashing statt Nachhaltigkeit“ widmet sich der Autor der Agrarökologie und dem Konzept des Land Sharings. Landwirtschaft wird nach agrarökologischen Kriterien betrieben. Es entwickelt sich eine „grüne Matrix“, durch die die Fragmentierung des Raumes für Tier- und Pflanzenarten überwindbar wird; Vielfalt wird nicht nur in Schutzgebieten erhalten, sondern kann sich auf allen Flächen entwickeln. Agrarökologie ist aber nicht nur Praxis, sondern „Wissenschaft, Bewegung und Praxis“(S. 97). Also etwas für uns alle. Machen wir uns auf den Weg und verstehen Nachhaltigkeit so, wie Peter Clausing sie auf der letzten Seite seines Buches definiert: „Nachhaltigkeit [zeichnet sich] durch drei Kriterien aus - die Deckung der Grundbedürfnisse, eine ausreichend materielle Grundlage, um kreative Entfaltung zu ermöglichen und die Berücksichtigung der Bedürfnisse der nachfolgenden Generationen“.(S. 136) Fazit: Ein lesenswertes, kurzes und sehr informatives Bändchen mit vielen weiterführenden Literaturangaben und einem nützlichen Register.
Gregor Kaiser
➤ Peter Clausing: Die grüne Matrix: Naturschutz und Welternährung am Scheideweg. Münster, Unrast Verlag (2013), 155 Seiten, 13 Euro, ISBN 978-3-89771-517-2.