Rezension: Regulation der Naturverhältnisse
Regulation der Naturverhältnisse
Die Ursachen der ökologischen Krise und der sozialen Krise dürfen nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Christoph Görg, Soziologe, Politikwissenschaftler und Philosoph unternimmt in seinem Buch "Regulation der Naturverhältnisse - Zu einer kritischen Theorie der ökologischen Krise" den Versuch, aus so verschiedenen theoretischen Bausteinen wie unter anderem der Kritischen Theorie, der Regulationstheorie und der materialistischen Staatstheorie einen theoretischen Ansatz zu entwickeln, der es ermöglicht, soziale Ungleichheit, gesellschaftliches Naturverhältnis und politische Macht, also das Verhältnis zwischen Gesellschaft, Natur und Politik im Zusammenhang kritisch zu analysieren. Am Beispiel der internationalen Biopolitik verdeutlicht er seine zentrale These, dass sich im Übergang zur postfordistischen Gesellschaft ein gewandeltes gesellschaftliches Naturverhältnis durchzusetzen beginnt. Die Art und Weise, wie in internationalen Vertragswerken, wie zum Beispiel dem Biodiversitätsabkommen (CBD), auf die Bedrohung der biologischen Vielfalt reagiert werde, zeige, dass der Schutz genetischer Ressourcen weniger dazu diene, die Natur in ihrem Eigenwert anzuerkennen und eine andere Praxis des Naturzugangs zu etablieren, als vielmehr die Naturausnutzung auch zukünftig zu sichern. Ebenso gründe sich das Interesse an lokal verankertem Wissen und Praktiken, insbesondere dem indigenen Wissen (indigeneous knowledge) darauf, dieses zur Erlangung genetischer Ressourcen auszubeuten und damit zu entwerten. Görgs Kritik richtet sich im Wesentlichen gegen ein gesellschaftliches Naturverhältnis, das in der Natur und in anderen Kulturen nicht das Andere und Unassimilierbare anerkennt. Im postfordistischen Naturverständnis werde vielmehr Natur und Gesellschaft in eins gesetzt, zu einer Totalität zusammengefasst und so zum Gegenstand menschlicher Kontroll- und Manipulationsmöglichkeiten, die gleichwohl unter den globalen Akteuren ungleich verteilt sind. Das Buch ist vielschichtig und enthält eine Fülle von Information - was zuweilen der Übersichtlichkeit schadet. Birgit Peuker
Birgit Peuker ist Soziologin und lebt in Berlin.