Transgener Mais

Einführung

Mais ist neben Weizen und Reis die wichtigste Nutzpflanze der Welt. Entsprechend ist es nicht verwunderlich, wenn sich auch die Gentechnik dieser Pflanze annimmt. In Europa ist Mais die einzige Pflanze, die gentechnisch verändert auch kommerziell angebaut wird.

In Deutschland gibt es im Moment etwa 2.000 Hektar gentechnisch veränderten Mais auf den Feldern, das ist bei einer geschätzten Gesamtanbaufläche für Mais von etwa 1,7 Millionen Hektar weniger als ein Prozent. Wo der Mais wächst und was alles die aktuelle Diskussion in Deutschland bewegt, fasst Christof Potthof mit seinem Artikel zusammen. Ein vorsichtiger Blick über die Grenzen darf dabei erlaubt sein.
Martha Mertens wagt mit ihrem Artikel einen Blick in die Zukunft. Was wird in Freisetzungsversuchen von den Unternehmen getestet und was lässt sich daraus für die nächsten Jahre abschätzen. Dass es in naher Zukunft kaum zu grundsätzlichen Nutzungsänderungen kommen wird, da es kaum neue Konzepte gibt, ist eines ihrer Ergebnisse.
Mais oder nicht Mais, das ist derzeit die Frage bei vielen Unternehmen, die auf die Energie aus nachwachsenden Rohstoffen setzen. Ein Interview mit Alexandra Mühr von der Verbio AG über die Rolle von transgenen Pflanzen bei der Herstellung von Kraftstoffen vom Acker geht dieser Frage nach. Etwas weiter lässt Marcus Nürnberger den Blick schweifen und versucht dem Thema ein paar andere Aspekte abzuringen. So geht er der Frage nach, wo die bäuerliche Landwirtschaft ihren Platz finden könnte.1
Länder des südlichen Afrikas, wie Simbabwe, Malawi oder Sambia waren vor Jahren weltweit in die Medien gekommen, weil sie trotz drohender oder akuter Hungerkatastrophen die Hilfslieferungen der Weltgemeinschaft ablehnten. Die Länder wollten keinen gentechnisch veränderten Mais akzeptieren. Die Rolle der transgenen Saaten im internationalen Kontext wird von Ute Sprenger beleuchtet und es wird deutlich, dass die Diskussionen weitergehen.
Doch gibt es weltweit Bemühungen der Industrie, die Kommerzialisierung des transgenen Mais voranzutreiben, und diese Bemühungen machen vor den Ländern der Ursprungszentren nicht halt, wie der Artikel von Kai Bentlage zeigt. Die Industrie nimmt zwar in Kauf, dass zunächst Freisetzungsversuche gemacht werden müssen, doch lässt sie keinen Zweifel daran, dass es ihr um einen möglichst großflächigen Anbau geht - so auch in Mexiko.
Gerade in diesen Zentren geht die Bedeutung einer Pflanze nicht selten weit in die Alltagskultur ein und beschränkt sich nicht auf das Dasein als Nahrungspflanze. Zwei verschiedene Blicke auf die Kultur des Mais finden sich in diesem Schwerpunkt: Yéssica Alquiciras und Pepe Godoy Berrueta, illustrieren die Bedeutung des Mais und seine Gefährdung durch neue Anbau- und Nutzungsformen aus der Perspektive einer indigenen Gemeinde. Ergänzt wird ihre Darstellung durch die Texte einer Ausstellung, deren Konzept nach mehr als zwanzig Jahren erneut aufgegriffen wurde.
Auch wenn sie in den vergangenen Wochen für große Aufregung gesorgt haben, beschäftigen wir uns in dieser Ausgabe nur am Rande mit den verschiedenen gerichtlichen und behördlichen Auseinandersetzungen um die Rechtmäßigkeit des Anbaus und der Zulassung von MON810-Mais. Der Mais des US-Konzerns Monsanto ist zwar die einzige gentechnisch veränderte Pflanze, die in Europa überhaupt im kommerziellen Anbau ist, doch ist sein Vertrieb derzeit, auf Anweisung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, verboten. Dagegen hat Monsanto selbstredend Rechtsmittel eingelegt. Zudem laufen verschiedene Klagen von Imkern gegen den Anbau des Mais, die sich zum Teil in der Berufung befinden. Es steht in den Sternen, wie diese Verfahren ausgehen.2

  • 1Die Nichtregierungsorganisation GRAIN hat den Agrar-Kraftstoffen (Agrofuels - Energie vom Acker) die Juli-Ausgabe ihrer Zeitschrift Seedling gewidmet, die wir hier gerne empfehlen. Das Heft kann als pdf-Datei kostenlos aus dem Internet geladen werden. Die Seiten von GRAIN finden sich unter grain.org. Die Zeitschrift erscheint in englischer Sprache.
  • 2Aktuelle Entwicklungen finden sich unter dem Titel „MON810 auf dem Prüfstand“ in der Rubrik „Landwirtschaft und Lebensmittel - kurz notiert“ in diesem Heft. Siehe dazu auch den Artikel „MON810 vor dem Aus?“ von Christof Potthof im GID 182, Juni 2007.
Erschienen in
GID-Ausgabe
183
vom August 2007
Seite 4

GID-Redaktion

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