KWS hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt

(Hamm und Berlin, 7. Februar 2012) „Die KWS Saat AG hat die Zeichen der Zeit offenbar nicht erkannt. Gentechnisch veränderte Zuckerrüben dürfen nicht auf den Acker!“, fordert ein breites Bündnis aus Landwirtschafts-, Umwelt- und Verbraucherverbänden sowie Unternehmen.

Bündnis legt Rechtsmittel gegen Versuche mit Gentechnik-Rüben ein

Die KWS Saat AG aus Einbeck, Niedersachsen, will erneut gentechnisch veränderte (gv) Zuckerrüben für mehrere Jahre auf Feldern testen. Die gv-Zuckerrüben sind gegen das Spritzmittel Glyphosat resistent, d.h. sie überleben eine Spritzung mit Glyphosat, während andere Pflanzen absterben. Gegen den Freisetzungsantrag hat das Bündnis bei der zuständigen Genehmigungsbehörde, dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), eine über dreißigseitige Einwendung vorgebracht. Download unter http://www.gen-ethisches-netzwerk.de/files/Einwan… (direkter Link, pdf-Dokument, 270 KB)
[img_assist|nid=2227|title=|desc=|link=none|align=left|width=210|height=300]Das Bündnis bemängelt zahlreiche Probleme: Glyphosat-resistente Gentechnikpflanzen lösen die Probleme in der Landwirtschaft nicht. Sie schaffen neue. Der Anbau von glyphosat-resistenten Pflanzen hat in den USA und Südamerika dazu geführt, dass es immer mehr resistente Unkräuter gibt und mehr Spritzmittel eingesetzt werden müssen. Praktiker sagen, dass dies derzeit das größte Problem der US- andwirtschaft ist, da die Unkrautbehandlung immer aufwendiger und teurer wird. Damit ist das System Spritzmitteltolerante gv-Pflanze gescheitert. Studien über die Gefährlichkeit von Glyphosat und seinen Beistoffen für Umwelt, Tiere und Menschen häufen sich. Selbst die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA, die für eine europäische Anbauzulassung zuständig ist und als industriefreundlich gilt, hat zahlreiche Probleme festgestellt: Obwohl diese gv-Zuckerrüben seit 1999 in verschiedenen Ländern freigesetzt wurden, fehlen immer noch molekularbiologische Untersuchungen und Langzeitstudien zu gesundheitlichen und ökologischen Risiken. Die EFSA verlangt auch, dass die Auswirkungen von Glyphosat in die Risikobewertung der gv-Pflanzen mit aufgenommen werden müssen. Dem kommt die KWS in ihrem Antrag nicht nach.
Der aktuelle Antrag der KWS Saat AG beim BVL entspricht nicht den Anforderungen für die geplanten Freisetzungen. So stammt die verwendete Literatur im Antrag überwiegend aus den 1930er bis 1980er Jahren. Aktuelle wissenschaftliche Studien zu sicherheitsrelevanten Aspekten werden ignoriert. Die KWS versäumte es in der Vergangenheit auch selbst, sicherheitsrelevante Daten zu erheben. Das hohe Risiko der Auskreuzungen der gv-Zuckerrüben im Anbau gefährdet die gentechnikfreie Erzeugung von Rüben und anderen Kreuzungspartnern, wie Rote Beete und Mangold. Insbesondere gefährden sie die Saatgutproduktion.
Wir fordern das BVL und die zuständige Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner auf, die Freisetzung der gentechnisch veränderten Zuckerrüben abzulehnen. Aufgrund der offensichtlichen Probleme für die Umwelt und Gesundheit - auch durch den Einsatz von Glyphosat - und die gentechnikfrei erzeugende Landwirtschaft, die in der Risikobewertung der KWS keine Berücksichtigung finden, darf eine Genehmigung nicht erteilt werden. Die gv-Zuckerrüben sind extrem auskreuzungsfreudig und das risikobehaftete Glyphosat-System ist schon jetzt in Amerika gescheitert.
V.i.S.d.P.: Annemarie Volling, Koordinatorin des Bündnisses, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V., Bahnhofstraße 31, 59065 Hamm/Westf., Tel: 04131/400720, mobil: 0160/96760146, www.abl-ev.de
Ansprechpartner im Büro des Gen-ethischen Netzwerk: Christof Potthof, Tel.: 030/685 7073

Inhaltliche Nachfragen und rechtliche Informationen:

Annemarie Volling, Koordinatorin des Bündnisses, AbL e.V., Tel. mobil: 0160/96760146
Rechtsanwältin Katrin Brockmann, Berlin, Tel: 030/28876783
Martha Mertens, Gentechnikexpertin des BUND, mobil: 0176/62927503
Andreas Bauer-Panskus, epigen Wissenschafts- und Projektbüro, mobil: 0176/61176101
Siegrid Herbst, Interessengemeinschaft gentechnikfreie Saatgutarbeit (IG-Saatgut), Tel: 0511/924001837

Die Einwendungen wurden eingereicht im Namen von den folgenden Organisationen und Firmen: Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V., Bioland e.V., Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Bündnis für gentechnikfreie Landwirtschaft Niedersachsen, Bremen, Hamburg, Bürgerinitiative gentechnikfreies Südniedersachsen, Bingenheimer Saatgut AG, SaatgutGärtnerei Schönhagen, Gen-ethisches Netzwerk e.V. (GeN), Interessengemeinschaft gentechnikfreie Saatgutarbeit (IG-Saatgut), Naturland e.V., Neumarkter Lammsbräu, Gebr. Ehrnsperger e.K., Naturschutzbund Deutschland (NABU), tegut… gute Lebensmittel.
Informationen auf den Seiten des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit:
http://apps2.bvl.bund.de/cgi/lasso/fsl/display.la…
Informationen (in englischer Sprache) auf den Seiten der gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission:
http://gmoinfo.jrc.ec.europa.eu/gmp_report.aspx?C…
Informationen der „Witzenhäuser Agrar-Studierende, Landwirte und Gärtner für eine gentechnikfreie Landwirtschaft“:
http://www.kws-gentechnikfrei.de
 

    8. Februar 2012