Rezension: Biokrieg

Der Roman „Biokrieg" ist einer der am höchsten ausgezeichneten Science-Fiction-Romane der letzten Jahre. Er handelt im Kern von den zerstörerischen Auswirkungen des Siegeszuges der Agro-Gentechnik unter den Bedingungen der Gewinn-Maximierung mit allen Mitteln. Das Öl ist am Ende, die Erde verseucht, Bioterrorismus und gentechnisch manipulierte Pflanzenkrankheiten gegen Nutzpflanzen sichern den Ertrag der multinationalen Gentech-Firmen - und geraten außer Kontrolle, ebenso wie gentechnisch veränderte Tiere. Alles was noch zählt, ist menschliche Arbeitskraft und die Kalorien aus gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln - zum Überleben. Der genetische Code von ausgerotteten Tier- und Pflanzenarten wird zur wertvollen und wohlbehüteten Ressource. Da, wo der Roman sich mit der gentechnischen Manipulation am Menschen beschäftigt, wirkt alles jedoch sehr aufgesetzt. Die Figur des „Windup Girl" (so der amerikanische Originaltitel), ihre Zurichtung, ihre Missbrauchserfahrungen bleiben vor dem Hintergrund einer „irgendwie fremdartigen" japanischen Kultur, aus der sie stammt, komplett unzugänglich. Die Schilderung des Agro-Gentechnik-Horrorszenarios wirkt dagegen viel lebendiger, durchstrukturierter und logischer in seiner unheimlichen Konsequenz. Die sozialen, kulturellen und politischen Auswirkungen auf die thailändische Gesellschaft werden konsequent durchgespielt und sehr plastisch aus verschiedenen Blickwinkeln geschildert. Der Roman ist bunt und aufwühlend, bleibt aber stellenweise sehr oberflächlich. In der Post-Rowling-Manier moderner phantastischer Literatur ist die Fortsetzung schon sehr absehbar vorprogrammiert. Meine Erwartung hält sich in Grenzen.
Uwe Wendling
Paolo Bacigalupi: Biokrieg. Heyne-Verlag, München (2011), 608 Seiten, 9,99 Euro, ISBN 3-453-52757-7.

Erschienen in
GID-Ausgabe
212
vom Juni 2012
Seite 45