Rezension: Die molekulare Invasion
Die molekulare Invasion
Das Critical Art Ensemble (CAE) zu beschreiben fällt schwer: eine Mischung aus Kunst, Politik und Wissenschaft, aus Theorie und Praxis; ein Zugang, der weder den üblichen Wissenschafts- oder Gesetzesdiskussion entspricht noch den typischen Kampagnen, sondern ein Zugang der einerseits eine solide politische Analyse liefert, und anderseits Aktionsformen zur politischen Bewusstseinswerdung entwickelt. Und gerade das macht das Buch "Die molekulare Invasion" so spannend: CAE scheint sich dem Thema von mehrer Seiten gleichzeitig zu nähern und Rollen umzukehren. Warum Biotechnologie nicht von innen - und damit mit ihren eigenen Waffen - angreifen? Warum nicht eine Methode entwickeln, die Roundup Ready-Pflanzen farbig leuchten lässt und damit gerade die gentechnische Veränderung nutzt, um die Pflanzen in ihrer Andersartigkeit, ihrer "Neuen Natur" sichtbar zu machen? Warum nicht mit den Mythen der Gentechnik spielen und Gentechniker in Zugzwang bringen, wenn sich plötzlich mutierte Fliegen um ihr Institut herum häufen? CAE stellt auch theoretische Fragen dazu, ob es sich bei GVOs um eine ganz neue Form von Organismen handelt, Fragen nach der Ideolgie von Gentechnik, und danach welche Formen biologischen Widerstands was erreichen können. Es gibt Antworten, wie ein so hoch spezialisierter Bereich dennoch von AmateurInnen durchdrungen werden kann. Ergänzt wird dies durch ein sehr hilfreiches Glossar für AktivistInnen, sowie ein aktuelles Vorwort, das auch den Stand des Prozesses gegen Steven Kurtz, Mitglied des CAE beschreibt. "Die molekuare Invasion" ist ein Buch für Menschen, die für ungewohnte Herangehensweisen an ein bekanntes Thema offen sind, und ein Buch, dass man nicht von vorne nach hinten lesen muss.
Antje Lorch ist freiberufliche Beraterin im Bereich Agro-Gentechnik. Sie ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Gen-ethischen Netzwerk e.V. Zu ihren Veröffentlichungen siehe www.ifrik.org.