Rezension: Die Saat
Inmitten der weltweiten Auseinandersetzungen um die Nutzung der Agro-Gentechnik hat die Autorin Fran Ray ihren Thriller „Die Saat“ angesiedelt. Unzählige aktuelle Bezüge schaffen ein - auch für Insider - realistisches Bild, durch das Ray ihre beiden Hauptfiguren sicher leitet. Eine Frau wird ermordet, und der Weg ihres Mannes auf der Suche nach Erklärungen ist der rote Faden des Buches. Dieser Weg ist gepflastert mit Leichen, so viel sei an dieser Stelle verraten. Nicht ungeschickt platziert die Autorin am Wegesrand Figuren, die sich zunächst als Weggefärten anbieten, sich dann aber, in einem immer wiederkehrenden Ringen zwischen Vertrauen und Täuschung, schnell wieder verabschieden; manche von ihnen auf spektakulär endgültige Weise. Ethan, so der Name des Mannes, landet immer wieder bei der Journalistin Camille. Diese sucht zunächst eine große Geschichte (womit sie richtig liegt), hat aber im Verlauf der Recherchen erhebliche Probleme, ihren Kurs zu halten. Für Überraschungen ist ausreichend gesorgt. Keine große Literatur, aber nichtsdestotrotz ein empfehlenswertes Lesevergnügen.
Christof Potthof
Fran Ray: Die Saat. Bastei Lübbe, Köln (2010), 508 Seiten. 8,99 Euro, ISBN 978-3-404164-11-0.