Rezension: Designer-Baby
Designer-Baby: Ein Kinderbuch
Nora hat eine Hasenscharte, ein Gesicht wie eine Seekuh und an jedem Fuß sechs Zehen. Sie ist ein Kind von Genosan, und glaubt, sie wäre im Labor gemacht. Die Firma Genosan kümmert sich um alle, die nicht "richtig" sind und draußen wegen ihrer Hässlichkeit verspottet werden. Sie sorgt dafür, dass Bäume gerade in den Himmel wachsen und nach Pizza duften. Genosan versucht, den Hunger auszurotten und stellt Antifalten-Creme für die armen, wind-gegerbten Leute in Sibirien her. Das sind viele Gründe, stolz auf Genosan zu sein - doch Nora beginnt, an den Heldengeschichten, die die Firma auftischt, immer mehr zu zweifeln. Versucht die Firma, die katastrophalen Folgen ihrer Experimente zu verschweigen? Sind sie und ihre Freunde nur Versuchstiere in einem Labor, die mit Phosphorcola ruhig gestellt werden? Hat sie außerhalb der Mauern des Konzerns eine "richtige Mutter", wie es sie im Fernsehen gibt? Sind am Ende auch draußen gar nicht alle Menschen "richtig"? Als Noras bester Freund die Flucht ergreift, beschließt auch sie, die Firma zu verlassen. Bettina Obrecht hat in ihrem Buch "Designer-Baby" die Folgen einer Gentech-Welt thematisiert, in der die Reichen Babys nach Katalog bestellen – und Kinder, die nicht dem Ideal entsprechen, vom Hersteller unter Garantie zurückgenommen werden. Trotz des ernsten Themas: Die Geschichte ist spannend und streckenweise richtig lustig. Das Buch ist geschrieben für Kinder ab 10 Jahren, aber macht auch großen Kindern Spaß!
Monika Feuerlein ist freie Journalistin und arbeitete mehrere Jahre lang als Redakteurin für den Gen-ethischen Informationsdienst (GID).