Gentests

Schwerpunkt

Medizinische Tatsache oder statistisches Kalkül: Biotech- und Pharmafirmen haben erkannt, dass Gentests neue Einnahmequellen erschließen und der Markt dabei sogar auf gesunde Menschen mit angeblich "belastenden Genen" ausgeweitet werden kann. Helen Wallace, Gene Watch UK, beschreibt aktuelle Forschungsschwerpunkte der Diagnostikindustrie und die gesellschaftlichen Probleme, die daraus entstehen. Thomas Lemke analysiert die Regierung genetischer Risiken, und Gerd Gigerenzer fragt sich wie man Risiken kommuniziert man Risiken? Ausserdem vermittelt ein Interview mit Gentest24 Eindrücke aus der Praxis

Impressum

GID 161, Dezember 2003/Januar 2004 19. Jahrgang - ISSN 0935-2481 Redaktion: Theresia Scheierling (ViSdP), Monika Feuerlein, Christof Potthof, Nele Jentsch, Silke Westermann

Artikel in dieser Ausgabe

  • Die Regierung genetischer Risiken

    Von
    Thomas Lemke

    Spricht man von "genetischen Dispositionen" oder "Risiken", so verweist dies nicht auf klinische Tatsachen, sondern auf statistische Kalkulationen. Dieses abstrakte Risikokalkül sieht vom konkreten Individuum ab, eröffnet aber gerade dadurch den Weg zu einer individualisierten Prävention. Durch das Konzept des genetischen Risikos werden gesellschaftliche Kräfteverhältnisse umgestaltet, kollektive Risiken werden privatisiert.

  • Wie kommuniziert man Risiken?

    Von
    Gerd Gigerenzer

    Auch die zuverlässigsten Tests erzeugen einen gewissen Anteil von falsch-positiven und falsch-negativen Ergebnissen. Trotzdem entsteht häufig die Illusion von Gewißheit, da in der Arzt-Patienten-Beziehung sowie in medizinischen Lehrbüchern und den Medien Unsicherheiten oftmals nicht verständlich kommuniziert werden. Im Folgenden werden drei Formen der Risikokommunikation beschrieben, die regelmässig Missverständnisse erzeugen, sowie alternative Methoden aufgezeigt.

  • Großbritannien: Gentests für alle?

    Von
    Helen Wallace

    Biotech- und Pharmafirmen haben erkannt, dass Gentests neue Einnahmequellen erschließen und der Markt dabei sogar auf gesunde Menschen mit angeblich "belastenden Genen" ausgeweitet werden kann. Hellen Wallace, Gene Watch UK, beschreibt aktuelle Forschungsschwerpunkte der Diagnostikindustrie und die gesellschaftlichen Probleme, die daraus entstehen.

  • Eindrücke aus der Praxis

    Interview mit
    Gentest24

    Die Berliner Firma Gentest24 bietet über das Internet diverse Gentests an. Achtzehn Tests auf genetisch bedingte Anfälligkeiten für Erbkrankheiten, verschiedene Krebsarten und Volkskrankheiten stehen in ihrem Katalog. Der GID sprach mit Geschäftsführerin Victoria Koppenwallner und Lutz Ramm, Miteigner der Firma, über Angebot und Nachfrage in der genetischen Diagnostik.

  • Wem gehören Gentestproben?

    Von
    Monika Feuerlein

    Über den Missbrauch von Gentests am Arbeitsplatz oder durch Versicherungen wird häufig diskutiert. Dabei gerät in Vergessenheit, dass die Verwendung von Gentestproben und daraus gewonnener Daten für Forschungszwecke ebenfalls geregelt werden muss.

  • Koalitionen in Dörfern und Regionen

    Von
    Christof Potthof

    Lange spielte sich die Diskussion um den Einsatz der so genannten grünen Gentechnik in eher exklusiven Debattierrunden von Experten ab. Lobby-VertreterInnen verschiedener Interessengruppen gaben sich bei den PolitikerInnen in Brüssel die Klinke in die Hand. Mittlerweile scheint die Diskussion bei den Leuten im Lande angekommen zu sein. Insbesondere in bäuerlichen Kreisen formieren sich Aktionsbündnisse, um gemeinsam gegen die Gentechnik auf dem Acker vorzugehen. Ein kurzer Eindruck aus Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein und Hessen.

  • Die Verbrauchersicht in der GVO-Diskussion

    Von
    Jutta Jaksche

    Verbraucher lehnen gentechnisch veränderte Nahrungsmittel mehrheitlich ab. Verbraucherschutzverbände fordern für die Grüne Gentechnik die Anwendung der Wahlfreiheit und des Verursacherprinzips sowie eine konsequente Weiterentwicklung der Kennzeichnung der Prozessqualität von Produkten.

  • UK on the Way

    Von
    Christof Potthof

    Das Jahr war geprägt von zähem Ringen um den richtigen Weg. Eine Lösung ist aber noch nicht in Sicht. Im Jahr 2003 hatte die Regierung von Großbritannien eine groß angelegte öffentliche Debatte über gentechnisch veränderte Pflanzen in der britischen Landwirtschaft durchgeführt. Außerdem sollte eine Reihe von Untersuchungen zum Thema veröffentlicht werden. Die so genannten Farm-scale- Evaluations zu Auswirkungen des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen auf die Biodiversität und Forschungen, die im Wesentlichen den Genfluss untersuchen, sind nun vorgelegt worden. Siie sorgten nicht nur in Großbritannien, sondern unter anderem auch in Deutschland für eine neue Debatte um die Risiken der Grünen Gentechnik.

  • Brustkrebs: Sicherheit durch Vorsorge?

    Von
    Uta Wagenmann

    Weil das 1996 aufgelegte Schwerpunktprogramm "Familiärer Brust- und Eierstockkrebs" der Deutschen Krebshilfe demnächst ausläuft, wird über eine Übernahme des Angebotes in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen verhandelt. Im Vordergrund der Argumentation steht dabei die Versorgung der Frauen mit Beratung, genetischer Diagnostik, Früherkennung und Prophylaxe. Zeitgleich postulieren Genetiker die Notwendigkeit, Studien zu den beiden bisher bekannten Brustkrebs-Genen BRCA 1 und 2 auf die Gesamtbevölkerung auszuweiten.

  • Jenseits der Rechtsgemeinschaft

    Von
    Kathrin Braun

    Am 29. Oktober sprach Justiziministerin Brigitte Zypries (SPD) zu "verfassungsrechtlichen und rechtspolitischen Fragen der Bioethik" in der Berliner Humboldtuniversität. Ihre Rede, in der sie die Menschenwürde des Embryos im Labor zur Diskussion stellte, hat heftige Reaktionen ausgelöst. Ein Hauptkritikpunkt ist, dass in der Argumentation der Ministerin die Trennung zwischen dem "bloßen Leben" und den Mitgliedern der Rechtsgemeinschaft zu einer rein politischen Entscheidung wird.

  • Selbstbestimmung und Selbstkritik

    Von
    Lilian Schubert

    Vom 14. bis 15. November 2003 trafen sich über 200 WissenschaftlerInnen verschiedener Disziplinen sowie LehrerInnen, SchülerInnen, JournalistInnen und interessierte Laien am Europäischen Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) in Heidelberg. Dort fand die Veranstaltung "Genetics, Determinism and Human Freedom” aus der Reihe "Science and Society" statt.

  • Ungelöste Fragen - Uneingelöste Versprechen

    10 Argumente gegen die Nutzung von gentechnisch veränderten Pflanzen in Landwirtschaft und Ernährung - Ein gemeinsames Positionspapier der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten der evangelischen Kirchen in Deutschland (AGU), der Arbeitsgemeinschaft der Umweltbeauftragten der deutschen Diözesen, dem Ausschuss für den Dienst auf dem Lande in der Evangelischen Kirche in Deutschland (ADL) und der Katholischen Landvolkbewegung (KLB).