Editorial

Alte Freunde

HUGO* ist ein alter Freund des GID, das kann nach fast fünfzehn Jahren durchaus behauptet werden. Einfach ist es nicht immer gewesen - ist HUGO doch schon in jungen Jahren mit einer ziemlich dicken Klappe umhergezogen. Versprechen waren schon immer seine Stärke, das Einhalten derselben weniger. Nachdem in den letzten Jahren der Euphorie keine Grenzen gesteckt waren, das Genom gilt als entschlüsselt, die x-te Version ist veröffentlicht, macht sich nun Katerstimmung breit. In diesem Jahr fand das Treffen von HUGO in Berlin statt. Versprechen wurden eher zurückgenommen: “Die Frage ist, ob wir darauf achten, die Integrität der wissenschaftlichen Kultur zu wahren, oder ob wir in einen Guerrillakrieg mit der Öffentlichkeit eintreten, indem wir Versprechen machen, die wir letztlich nicht erfüllen können.” Töne, die früher nicht auf HUGOs Treffen zu hören waren. Die Zunft der Genom-ForscherInnen weiß nicht so recht wohin mit sich. Ein Genom nach dem anderen wird entschlüsselt, oder, was man derzeit für eine Entschlüsselung hält: das Aneinanderreihen der magischen vier Buchstaben: ATGC. Und ausgerechnet in dieser Phase der Selbstfindung rückt die Politik, nach wie vor vor auf dem ...omik-Trip, den ProtagonistInnen auf die Pelle und verlangt nach umsetzbaren Ergebnissen, die weltweit Wirtschaftsstandorte erhalten helfen.
Eine andere Geschichte: Das Gentestgesetz ist verschoben - zum wiederholten Male. In solchen Situationen ist das Geschäft des Journalismus ein übles: Wir wollen nicht zu spät sein und wir wollen nicht ständig schreiben, es sei mit dem Entwurf, Gesetz et cetera ... dann und dann ... zu rechnen, aber nun: die aktuelle Verschiebung nennt als neuen Termin den Herbst für die Vorlage des Entwurfes.
Wir bleiben in Kontakt und wünschen eine interessante Lektüre.
Die GID-Redaktion
* Humangenom-Organisation

GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
163
vom April 2004
Seite 2

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