Rezension: Sammlerin im Haifischbecken
Papier ist geduldig. Das ist wohl der einzige Makel, der dem Buch der Soziologin Birgit Peuker anhängt. Denn all das Papier, das sie für ihr Buch gelesen hat, erscheint von Zeit zu Zeit wie nicht von dieser Welt. Peuker vergleicht verschriftlichte Positionen von Akteuren der Agrar-Gentechnik-Debatte, um diesem Haifischbecken auf den Grund zu kommen. Das Bild überstrapazierend, kann mit Fug und Recht gesagt werden, dass sie dabei nicht im Trüben fischt. Peuker ist eine Sammlerin, die ihre Fundstücke nicht in unsortierten Schuhkartons herumliegen lässt. Im Regelfall ist sie klar und orientiert, und zuweilen möchte man meinen, sie sei klarer und orientierter als so manch eineR, der/die selbst in der Debatte aktiv ist. Das macht einen Großteil des Buches zu einer interessanten Lektüre, wenn auch nicht zu leichter Kost. Sie schreibt von der ersten bis zur letzten Zeile in einem schlicht-wissenschaftlichen, schnörkellosen Stil. Techniksoziologin, die sie ist, hält sie für den geneigten Leser, die geneigte Leserin natürlich die eine oder andere Erkenntnis bereit. Ein Beispiel: „Die unterschiedliche Konstruktionsweise [des Streitobjektes ‚Agrar-Gentechnik‘] ist nicht Ausdruck sich widersprechender Wirklichkeitsbeschreibungen, sondern Resultat unterschiedlicher Schwerpunktsetzungen. [...] Nur auf einer pauschalisierenden Ebene scheinen sich die Argumente befürwortender und kritischer Positionen zu widersprechen, da die Argumente durch die jeweilige Gegenseite undifferenziert dargestellt werden.” Aha!
Christof Potthof
Birgit Peuker: Der Streit um die Agrar-Gentechnik, transcript Verlag (2010), 370 Seiten, 33,80 Euro, ISBN 978-3-8376-1502-9.