Rezension: Leben, Natur, Wissenschaft / Das Werden des Lebens
Popstars
Zwei Bücher bereiten mir Bauchschmerzen. Was sie verbindet ist, dass sie von Popstars der deutschen Molekularbiologie/ -medizin geschrieben wurden, die damit den Versuch wagen, dem gemeinen Volk diese wichtige Wissenschaft des dritten Jahrtausends aus der Perspektive eines/ einer Beteiligten nahe zu bringen. Beide AutorInnen sind Mitglieder im Nationalen Ethikrat, was sie möglicherweise ermunterte, über das Vermitteln der molekularbiologischen/ -medizinischen Erkenntnisse hinaus, auch andere Ansichten unters Volk zu bringen. Die Bauchschmerzen kamen schon bei der Bestellung und haben seitdem nicht nachgelassen, verursacht durch die vermutlich nicht zu beantwortende Frage: Haben sie etwa den wirklich umständlichen Umweg über ihre wissenschaftliche Reputation, die an dieser Stelle nicht bezweifelt werden soll, gewählt, um über die biopolitischen - naja, Sie wissen schon: die wirklich wichtigen - Fragen unserer Zeit zu sinnieren? In jedem Fall kommt in beiden Büchern, was kommen musste: Gebrochene Lanzen und das Blaue vom Himmel... für - naja, Sie wissen schon: Gentests, therapeutisches Klonen, Stammzellforschung und so weiter und so fort. Interessant an dem Buch von Herrn Ganten (das er im Übrigen zusammen mit Thomas Deichmann - ein Name, den es sich wirklich mal zu googeln lohnt - und Thilo Spahl geschrieben hat), ist der Titel: Leben, Natur, Wissenschaft (soweit so gut) - alles, was man wissen muss - na? Da bekommt man noch was für‘s Geld... Mein Tipp: geh'n Sie mit dem Geld in Ruhe essen... Das Buch von Frau Nüsslein-Volhard hat nicht so einen schönen Namen, dafür hat sie es aber alleine geschrieben; das Essen - zu dem ich Ihnen auch hier rate - wird ein bisschen kleiner ausfallen.
Christof Potthof war bis Ende April 2020 Mitarbeiter im GeN und Redakteur des GID.