Rezension: In der Praxis

Wie sieht die Arbeit einer Frauenärztin aus? In dem Buch, das die unterschiedlichen Facetten einer 27-jährigen Arbeit als niedergelassene Frauenärztin darstellt, kommen persönliche Erlebnisse, Einschätzungen und Informationen zusammen, die ein lebendiges Bild der Arbeit ergeben. Ein großer Teil des Buches beschäftigt sich mit der Schwangerenbetreuung und wie sich diese verändert hat. Schwangerschaft sei zu einem „Event unter Aufsicht“ geworden, in dem die Schwangere die Verantwortung für ein „gutes Ergebnis“ also ein „gesundes Kind“ habe, schreibt Schumann. In der gesellschaftlichen Debatte wird ein Großteil der Schuld für diese Entwicklung den Frauenärzt*innen zugeschrieben, Schumann kann jedoch deutlich machen, dass die Frauen selber häufig bereits mit einem großen Druck in die Praxis kommen. Eine der großen Stärken des Buches ist es dann auch, nicht nur die aktuelle Situation besser begreifbar zu machen, sondern auch die Entwicklung seit den 1970er-Jahren verständlich darzustellen. Das Buch gibt Ärzt*innen aber auch Patient*innen viele Ideen und Anregungen, wie es eigentlich anders laufen müsste und könnte. Sehr lesenswert!

➤ Claudia Schumann: Frauenheilkunde mit Leib und Seele. Aus der Praxis einer psychosomatischen Frauenärztin. Psychosozial-Verlag (2017), 194 Seiten, 16,90 Euro, ISBN-13 978-3-83792-692-7.

 

Kirsten Achtelik arbeitet als freie Autorin und Journalistin zu behinderten- und geschlechterpolitischen Themen.

zur Artikelübersicht

GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
247
vom November 2018
Seite 37

Nur durch Spenden ermöglicht!

Einige Artikel unserer Zeitschrift sowie unsere Online-Artikel sind sofort für alle kostenlos lesbar. Die intensive Recherche, das Schreiben eigener Artikel und das Redigieren der Artikel externer Autor*innen nehmen viel Zeit in Anspruch. Bitte tragen Sie durch Ihre Spende dazu bei, dass wir unsere vielen digitalen Leser*innen auch in Zukunft aktuell und kritisch über wichtige Entwicklungen im Bereich Biotechnologie informieren können.

Ja, ich spende!  Nein, diesmal nicht