Rezension: Mit Gift und Genen

Marie-Monique Robin hat sich mit ihrem Film „Mit Gift und Genen” ihren Platz in der „Hall of Fame”, der Ruhmeshalle, der Gentechnik-kritischen Bewegung verdient. Zu unzähligen Gelegenheiten lief und läuft er, Land auf und Land ab, nicht selten begleitet von Diskussionen oder anderen Veranstaltungen. Robin erzählt die Geschichte des Biotech-Konzerns „Monsanto”, seiner Strategien, der gefälschten Gutachten, der vergifteten ArbeiterInnen, nicht zuletzt der politischen Einflussnahme und von tausend Dingen mehr. Beispielsweise ein Interview mit dem ehemaligen Abteilungsleiter einer US-Behörde, in welchem dieser äußert, dass es im Großen und Ganzen Einvernehmen über diese oder jene Frage gegeben habe. Im nächsten Schnitt zeigt sich, dass dies schlicht gelogen ist. Fast zwei Stunden lang in diesem Stil, ohne Pause. Am Ende des Films kann man es kaum fassen: „Was für eine Sauerei” - dabei ist „eine” nicht ganz richtig - vielmehr reiht sich eine Ungeheuerlichkeit an die nächste. Es überkommt einen - neben Wut - das Gefühl, dass diese geradezu das Fundament dieses Konzerns bilden, der sich aufgemacht hat, mit Patenten die Kontrolle über die genetischen Ressourcen und, mit der Übernahme von unzähligen Züchtungs-Unternehmen, über das Saatgut dieser Welt zu bekommen. Dieser Film kann nun auch als Appetit-Häppchen für das neu erschienene Buch „Mit Gift und Genen - Wie der Biotech-Konzern Monsanto unsere Welt verändert” genutzt werden. Detailreich, mehr als 500 buchstäbliche und tausend sprichwörtliche Fußnoten, lässt Marie-Monique Robin uns die Vorzüge des Mediums Buch genießen und legt dem geneigten Leser, der geneigten Leserin, ihre Quellen zur Weiternutzung zu Füßen. Ein Fest für Menschen, die es lieben links und rechts der von der Autorin ausgewählten Zitate zu schmökern. Zudem geht manches im Buch noch über die im Film erzählten Geschichten und Episoden hinaus und sucht nach weiteren Möglichkeiten, Bezüge und Kontexte herzustellen. Man ahnt, was dem Schnitt des Films zum Opfer gefallen ist (und freut sich insgeheim auf eine Dokumentarfilm-Nacht-Session mit der vermutlich achtstündigen Directors-uncut-Version des Films). Derart verwöhnt von einem auf seine Art zwar deprimierenden, wenngleich sehr gut gemachten Dokumentarfilm und einem nicht minder gehaltvollen Buch, wünscht man, in eine Zukunft versetzt zu sein, in der es vielleicht ganz normal sein wird, das alles - Film, Text und weitere Dokumente - zusammen auf einem wie auch immer gearteten Medium miteinander kombiniert zu genießen. Das stelle ich mir wie folgt vor: Fünf Minuten Film schauen - stoppen: Was hat der gesagt? KLICK, Dokument öffnen - nachlesen - Dokument schließen. Weiter im Film - stoppen - KLICK - ein Kapitel lesen ...

GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
192
vom März 2009
Seite 47

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