MON810-Stopp in Tschechien

Weiteres Land in Europa beendet Anbau von gv-Mais

Nach mehr als zehn Jahren mit kommerziellem Anbau von gentechnisch verändertem Mais haben LandwirtInnen in der Tschechischen Republik den Anbau 2017 vollständig gestoppt.

Im vergangenen Jahr hat sich die Liste der europäischen Länder, in denen gentechnisch veränderte (gv) Pflanzen angebaut wurden, wieder um zwei Länder verringert. In der Tschechischen Republik und in der Slowakei fand 2017 kein kommerzieller Anbau von Monsantos MON810-Mais mehr statt. Während der Redaktion über die Gründe und die letzten Entwicklungen in der Slowakei keine Informationen vorliegen, scheint sich dieser Trend nach Auskunft von Michaela Jedlicková vom tschechischen Landwirtschaftsministerium auch 2018 zu bestätigen. Das jedenfalls war der Stand der Dinge in Tschechien Anfang April. Der Anbau von MON810-Mais in dem Land begann 2005 mit 150 Hektar. Drei Jahre später war mit einer Fläche von 8.380 Hektar der Höchststand schon erreicht. 2016 war nur noch ein einziger Hof - mit 75 Hektar MON810-Mais - übrig geblieben.

Für den Stopp des MON810-Anbaus in der Tschechischen Republik gibt es offenbar verschiedene Gründe: Jedlicková zufolge ist der Wichtigste, dass es während der Milchkrise1 zu Absatzproblemen gekommen war. Mais wird in der Tschechischen Republik insbesondere als Futter für Kühe genutzt. Die Molkereien des Landes haben während der Milchkrise begonnen, Milch an Molkereien in Deutschland zu verkaufen. Diese zahlen für Milch, die von Tieren stammt, die mit gentechnikfreiem Futter versorgt worden sind, einen höheren Preis. Diese Verbindungen haben bis heute Bestand. Tschechische Molkereien verkaufen ihre Milch nach Deutschland, wo sie - ausgezeichnet mit dem „Ohne GenTechnik“-Label - verkauft wird. Aus diesem Grund haben die Molkereien auch aufgehört, Milch von Bäuerinnen und Bauern zu kaufen, die gv-Mais an ihre Kühe verfüttern.

Anbau-Ende, aber kein Verbot

Dass es ohne eine neue Regulierung beziehungsweise ohne ein konkretes Verbot zu einer vollständigen Aufgabe des Anbaus einer bestimmten gentechnisch veränderten Pflanze kam, ist ungewöhnlich. In der EU haben in den letzten Jahren Bäuerinnen und Bauern in verschiedenen Ländern den MON810-Anbau aufgegeben, zum Beispiel in Italien, Frankreich oder auch Deutschland. In diesen Ländern waren jeweils veränderte Regulierungen Grund für den Anbau-Stopp. In Deutschland zum Beispiel hatte die damalige Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) 2009 die Anbau-Genehmigung von MON810-Mais aus Sorge vor möglichen Umweltschäden für ungültig erklärt. Der gentechnisch veränderte Mais MON810 ist heute die einzige gv-Pflanze, die in Europa überhaupt kommerziell angebaut werden darf.2 Der Anbau fand zuletzt nur noch in Spanien und Portugal statt. Seit 2015 gilt in der Europäischen Union die sogenannte Opt out-Regulierung, der zufolge Mitgliedstaaten die Kultivierung von bestimmten gentechnisch veränderten Pflanzen verbieten dürfen. 17 EU-Länder und vier Regio- nen in zwei weiteren EU-Ländern haben von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht und den Anbau von MON810-Mais innerhalb ihrer Grenzen verboten, darunter auch Frankreich und Italien.

  • 1. Spätestens mit dem Ende der Milchquote als Regulierungsinstrument für den europäischen Milchmarkt am 01.04.15 kann von einer Milchkrise gesprochen werden. Diese äußert sich insbesondere in niedrigen - nicht kostendeckenden - Preisen für die produzierenden LandwirtInnen. In einigen Ländern der Europäischen Union war dieses Problem auch schon vorher akut.
  • 2. Bis 2013 war auch die Amflora-Kartoffel der BASF für den kommerziellen Anbau in der EU zugelassen. Diese Genehmigung hat das Gericht der Europäischen Union allerdings für illegal erklärt und widerrufen. Die BASF hat nicht versucht, erneut eine Zulassung zu bekommen.

Christof Potthof ist Mitarbeiter im Gen-ethischen Netzwerk und Redakteur des GID.

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GID Meta
Erschienen in
GID-Ausgabe
245
vom Mai 2018
Seite 13

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