Patente, Pillen und Piraten

Schwerpunkt

Das doppelte Genom: Im Text der Patentierungsrichtlinie der Europäischen Union ist von zwei Genomen die Rede: Dem natürlichen Genom, das nicht patentiert werden darf, steht die technisch produzierte Genomsequenz gegenüber. Hier findet eine Übersetzung zwischen den unterschiedlichen Wissensordnungen und Beschreibungsweisen des Laborsystems und des Rechtssystems statt. Paradoxerweise wird dabei gleichzeitig der Schutz des Genoms und seine Entschlüsselung zur gesellschaftlichen Pflicht erhoben.

Impressum

GID 160 - Oktober/November 2003 19. Jahrgang - ISSN 0935-2481 Redaktion: Theresia Scheierling (ViSdP), Monika Feuerlein, Christof Potthof, Jörg Berning, Silke Westermann

Artikel in dieser Ausgabe

  • Das doppelte Genom in der Genpatentierung

    Von
    Andreas Lösch

    Im Text der Patentierungsrichtlinie der Europäischen Union ist von zwei Genomen die Rede: Dem natürlichen Genom, das nicht patentiert werden darf, steht die technisch produzierte Genomsequenz gegenüber. Hier findet eine Übersetzung zwischen den unterschiedlichen Wissensordnungen und Beschreibungsweisen des Laborsystems und des Rechtssystems statt. Paradoxerweise wird dabei gleichzeitig der Schutz des Genoms und seine Entschlüsselung zur gesellschaftlichen Pflicht erhoben.

  • Biopatente: Paradigmenwechsel in der Medizin?

    Von
    Otmar Kloiber

    Im Streit um die Umsetzung der EU-Biopatentrichtlinie geht es um die Grundsatzfrage, ob das menschliche Genom patentierbar sein sollte. Die Bundesärztekammer beantwortete diese Frage am 6. Juni in der "Erklärung von Berlin" mit einem klaren "Nein". Denn bereits jetzt zeigen sich die negativen Folgen der Patentierungspraxis innerhalb der Medizin.

  • Von Patenten, Piraten und altem Pathos

    Von
    Janine Boutorabi, Lisa Scheunemann

    Der Widerstand der sich entwickelnden Länder und indigener Völker gegen das "Abkommen über handelsbezogene geistige Eigentumsrechte" der WTO (TRIPs) reißt nicht ab. Den Ländern wird zunehmend der Zugriff auf ihre Ressourcen verwehrt und sie versuchen, sich gegen Fälle von Biopiraterie zu wehren. Beim letzten TRIPs Council-Treffen Anfang Juni dieses Jahres wiederholten die Africa Group-Staaten ihre Bedenken zum TRIPs. Auch auf der WTO Ministerkonferenz in Cancun wurde kein Konsens von Industrienationen und entwickelnden Ländern bezüglich des Zugangs und der Nutzung biologischer Ressourcen gefunden.

  • (Wieder) entdecktes Wissen

    Von
    Corinna Heineke

    Kurz vor der Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) in Cancún, Mexiko, hatte die Diskussion über die Bedingungen des Zugangs zu genetischen Ressourcen und den damit assoziierten traditionellen Wissensformen und Praktiken indigener und ländlicher Gemeinschaften an Fahrt gewonnen. Dabei ist vor allem ein afrikanischer Vorschlag, lokales Wissen als geistiges Eigentumsrecht zu definieren, höchst kontrovers.

  • Der neue Bt-Mais von Monsanto

    Von
    Sabine Faaß

    Heutzutage sind mehrere hundert Resistenzen von landwirtschaftlichen Schädlingen gegen Insektizide bekannt. Auf landwirtschaftliche Systeme zugeschnittene Resistenzmanagement-Programme in den USA dienen dazu, Resistenzentwicklungen der Schädlinge zu vermeiden beziehungsweise hinauszuzögern. Was aber, wenn die Festlegung einer Refugien-Strategie auf dünner wissenschaftlicher Basis erfolgt und die Bauern die Vorschriften teilweise ignorieren?

  • Ohne klare Haftung zahlen Bauern die Zeche

    Von
    Mute Schimpf

    Einer der zentralen Knackpunkte bei der Gentechnik-Gesetzgebung ist die Haftung. Sie ist im Sommer auf europäischer Ebene nicht einheitlich für alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union geregelt worden. Die Haftungsfrage - und dementsprechend im Vorfeld die Frage, wer für die Kosten der Trennung zwischen gentechnisch veränderten und konventionellen Produkten zahlen soll - ist auch in Deutschland bei der Novellierung des Gentechnik-Gesetzes ein sehr umstrittenes Feld. Höchste Zeit für die Bauern, für ihre Interessen einzutreten und Rechtssicherheit im Bereich der Gentechnik zu fordern.

  • Frühscreening in der Schwangerschaft?

    Von
    Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik

    Zur Zeit wird sowohl in der Fach- als auch in der Laienpresse das so genannte Ersttrimester- oder Frühscreening in der 10. bis 12. Schwangerschaftswoche propagiert. Im Unterschied zu anderen Untersuchungen der Schwangerenvorsorge hat dieses Screening keinerlei therapeutische Konsequenzen, sondern zielt ausschließlich auf die Vermeidung der Geburt von Kindern mit bestimmten Merkmalen. Das Netzwerk gegen Selektion durch Pränataldiagnostik erhebt Einspruch gegen eine solche Selektion. Wir dokumentieren die im September veröffentlichte Stellungnahme.

  • PID im internationalen Vergleich

    Von
    Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB)

    Im Rahmen des Monitoring "Gendiagnostik und Gentherapie" erarbeitet das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) einen Vergleich der rechtlichen Regulierung und praktischen Anwendung der Präimplantationsdiagnostik (PID) in sieben ausgewählten Ländern. Damit soll eine Informationsgrundlage für Überlegungen zu einer bundesdeutschen Regulierung von PID geschaffen werden. Eine erste vorläufige Charakterisierung der Situation in den untersuchten Ländern liegt bereits vor, die wir an dieser Stelle dokumentieren wollen.

  • Das neue Gentechnikgesetz

    Von
    Christof Potthof

    Die Bundesregierung muss ein neues Gentechnikgesetz schreiben. Europäisches Recht – unter anderem die EU-Freisetzungsrichtlinie - wird in deutsches Recht übertragen. An manchen Stellen könnte Rot-Grün Spielräume der EU-Vorgaben nutzen und eigene Vorstellungen in die Novellierung einbringen. Fragen zur Haftung oder zum Monitoring jedoch sind zwischen den Regierungslagern sehr umstritten.

  • Die Segnungen des Gen-Shoppings

    Von
    Alf Thum, Torben Jansen

    In Bremen öffneten Künstler einen Gen-Shop für humangenetische Produkte. Interessierte konnten dort mit chromo’’’soma die erstaunlichen Anwendungsmöglichkeiten und verborgenen Potenziale des wissenschaftlichen Fortschritts entdecken. Sei es bei der Partnerwahl oder dem Wunsch nach einem perfekten Baby. Der Intensivierung des Lebensgefühls oder Ihrer finanziellen Absicherung. chromo’’’somas Produkte und Dienstleistungen eröffneten neue Perspektiven für ein erfüllteres Leben. Willkommen in der Welt von chromo’’’soma.