Offener Brief: Standards zur Freisetzung von Gentechnik-Mikroben erhalten
Appell der Zivilgesellschaft an die Europäische Union
In einem gemeinsamen Appell wenden sich das GeN und 34 weitere zivilgesellschaftliche Organisationen an Abgeordnete des EU-Parlaments. Wir fordern, Vorsicht und Umsicht bei den Gesetzen zur Freisetzung von Gentech-Mikroben walten zu lassen. Konkret heißt das, den vorliegenden Gesetzesentwurf abzulehnen.
Nahaufnahme von Mikroorganismen. Foto von National Institute of Allergy and Infectious Diseases auf Unsplash.
(Berlin, 23.09.26) In einem gemeinsamen Appell wenden sich heute 35 zivilgesellschaftliche Organisationen aus 12 Ländern an Abgeordnete des EU-Parlaments. Der Aufruf ist eine Reaktion auf den Vorschlag der EU-Kommission, der die Sicherheitsstandards für Freisetzungen gentechnisch veränderter Bakterien, Hefen, Algen und Viren erheblich abzusenken würde. Die Unterzeichner*innen fordern das Parlament auf, den Vorschlag abzulehnen oder wesentlich abzuändern.
Die Organisationen kommen aus den Bereichen Umweltschutz, Verbraucherschutz, Landwirtschaft, Imkerei, Lebensmittelproduktion und Wissenschaft. Sie warnen davor, dass es unverantwortlich sei, die Sicherheitsstandards gerade jetzt zu senken, während sich die Technologie rasant weiterentwickelt, und durch die Synergie mit künstlicher Intelligenz rasant vorangetrieben wird. Die Konvergenz der Technologien ermöglicht sogar die Schaffung bisher unbekannter Lebensformen.
Im Allgemeinen ist der aktuelle Wissensstand über die Anzahl und die Eigenschaften mikrobieller Arten äußerst begrenzt, die Struktur ihrer Gemeinschaften sowie ihre Wechselwirkungen mit der Umwelt sind extrem komplex. Viele Mikroorganismen können genetisches Material über Artengrenzen hinweg austauschen. Einmal in die Umwelt gelangt, lässt sich die Ausbreitung von Mikroorganismen kaum einschränken oder kontrollieren.
Im Dezember 2025 veröffentlichte die Europäische Kommission einen Vorschlag, der beschleunigte Zulassungen für vermeintlich „risikoarme“ gentechnisch veränderte Mikroben vorsieht. Dazu gehören niedrigere Standards für die Risikobewertung und Überwachung, EU-Zulassungen ohne zeitliche Begrenzung sowie Freisetzungen ohne Nachweismethoden und Monitoring.
Der Vorschlag wird derzeit im Europäischen Parlament diskutiert. Mehrere Abgeordnete haben Änderungsanträge eingereicht, die unterzeichnenden Organisationen hoffen, dass das Schlimmste noch verhindert werden kann.
Weiterlesen:
GID-Artikel „Aufbruch, um Erkämpftes zu verteidigen“ mit Bezug zum politischen Prozess im GID 278
Judith Düesberg ist Ökologin und Mitarbeiterin des GeN.
Kontakt im GeN:
Judith Düesberg
Judith.dueesberg@gen-ethisches-netzwerk.de