Achtung - Gentechnikfreiheit in Gefahr!

Auf der diesjährigen Wir haben es satt!-Demonstration in Berlin wurde mit Banner und Kochtopf auf eine aktuelle Postkartenaktion aufmerksam gemacht: Neue Gentechnik ist Gentechnik und muss auch als solche reguliert bleiben! So lautet die zentrale Forderung der Aktion, die auf viel Zustimmung gestoßen ist.   

Aktion zu CRISPR auf der Wir haben es satt!-Demonstration

Das Aktionsbanner auf der Friedrichstraße zu der Wir haben es satt!-Demonstration

„Agrarwende anpacken, Klima schützen“ war das Motto der diesjährigen Wir haben es satt!- Demonstration. Am Samstag, den 18. Januar, zogen im zehnten Jahr in Folge wieder zahlreiche Menschen durch die Berliner Innenstadt: Die Veranstalter*innen sprechen von 27.000 Teilnehmenden und 170 Treckern, die aus dem gesamten Bundesgebiet angereist waren. Jedes Jahr im Januar kommen in Berlin Menschen zusammen, die lautstark und bunt für eine nachhaltigere, umweltfreundlichere und gerechtere Landwirtschaft demonstrieren.

Mach mit!

Die Demonstration bot eine sehr gute Gelegenheit, um auf die Gefährdung der erkämpften Gentechnikfreiheit in Deutschland und großen Teilen Europas hinzuweisen. Auf einem großen Banner an einem Gebäude auf der Friedrichstraße war zu lesen: „Achtung - Gentechnikfreiheit in Gefahr! Wir lassen uns nicht verCRISPR´n!“ Neben dem Banner wurde lautstark der Topf geschlagen, das Symbol und Krachinstrument der Wir haben es satt!-Demonstration. Auf der Straße, unter dem Banner, wurden die passenden Postkarten verteilt. Auf der einen Seite der Karte zeigen bunte Bilder Organismen, die schon mit CRISPR und Co. gentechnisch verändert werden. Auf der anderen Seite wird Ursula von der Leyen, die neue Präsidentin der Europäischen Kommission, aufgefordert, das bestehende Gesetz zur Gentechnik in der EU nicht abzuschwächen. Stattdessen soll sie sich für das Vorsorgeprinzip, Wahlfreiheit und Naturschutz stark machen.

Bitte helfen Sie mit, dass sich Frau von der Leyen bald über sehr viel bunte Neujahrspost freuen kann! Die Postkarten sind hier kostenlos erhältlich.

Die gesamte Aktion wurde von den Demonstrierenden begeistert aufgenommen. Viele jubelten und winkten den fleißigen Topfschläger*innen zu. Ein gutes Zeichen für die Organisator*innen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, dem Gen-ethischen Netzwerk, dem BUND, dem Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft, der IG Saatgut sowie SaveourSeeds. Denn die Unterstützung und den Rückhalt von vielen Menschen braucht es gerade für eine starke gentechnisch kritische Bewegung.

Worum geht es eigentlich?

Die neuen Gentechniken wie CRISPR-Cas haben in den letzten Jahren für viel Wirbel gesorgt und einige Grundsatzdebatten zur Gentechnik neu angestoßen. In seinem richtungsweisenden Urteil hatte der Europäische Gerichtshof im Juli 2018 festgestellt, dass die neuen Verfahren wie CRISPR unter das Gentechnikgesetz der Europäischen Union fallen. Die Entscheidung war ein Etappensieg für die gentechnisch kritische Bewegung. Gleichzeitig ist das Urteil jedoch auch Aufhänger für Vorstöße aus verschiedenen Richtungen, um das Gentechnikrecht der EU zu verändern. So könnten die neuen Gentechniken durch die Hintertür eingeführt werden. Zwar steht diese Idee gerade nicht akut auf dem Arbeitsplan der neuen Europäischen Kommission, aber erst in der vergangenen Woche hat die zuständige Kommissarin, Stella Kyriakides angekündigt, dass sie einen Vorschlag für eine Neuregelung vorlegen könne [4].
Das würde die Stimmung in den Medien, wie auch in Teilen von Wissenschaft und Politik treffen. Es wird gefordert, dass bestimmte Anwendungen der neuen Gentechniken nach einer Novellierung des europäischen Gentechnikrechts nicht mehr entsprechend reguliert werden soll. Deswegen weisen wir immer wieder daraufhin, wofür Regulierung steht: Für die Umsetzung des Vorsorgeprinzips durch eine Risikoprüfung, für eine Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Organismen und somit für Wahlfreiheit von Landwirt*innen und Verbraucher*innen sowie für die Möglichkeit zu erfahren, welches Saatgut und welche Lebensmittel in der EU genutzt werden, kurz: für Transparenz!

Die mögliche Veränderung des EU-Gentechnikrechts, sowie der Umgang mit den neuen Gentechniken betreffen uns alle. Diese Debatte darf nicht nur zwischen Teilen der Agrarindustrie, der Politik und der Wissenschaft ausgetragen werden. Wir wollen alle motivieren sich zum Thema kritisch zu informieren und sich auszutauschen. Wir hoffen mit der Banner- und Postkartenaktion Aufmerksamkeit für die Aktualität des Themas Gentechnik gewonnen zu haben. Denn vergessen wir nicht: es steht einiges auf dem Spiel, das es zu verteidigen lohnt!

Nur durch Spenden ermöglicht!

Einige Artikel unserer Zeitschrift sowie unsere Online-Artikel sind sofort für alle kostenlos lesbar. Die intensive Recherche, das Schreiben eigener Artikel und das Redigieren der Artikel externer Autor*innen nehmen viel Zeit in Anspruch. Bitte tragen Sie durch Ihre Spende dazu bei, dass wir unsere vielen digitalen Leser*innen auch in Zukunft aktuell und kritisch über wichtige Entwicklungen im Bereich Biotechnologie informieren können.

Ja, ich spende!  Nein, diesmal nicht